Ist die Privatinsolvenz für selbstständig tätige Schuldner möglich?

Auch wenn im eigenen Unternehmen viel Herzblut steckt: Im Falle eines Scheiterns ist die Insolvenz für Selbstständige manchmal unumgänglich.
Auch wenn im eigenen Unternehmen viel Herzblut steckt: Im Falle eines Scheiterns ist die Insolvenz für Selbstständige manchmal unumgänglich.
“Jeder Rückschlag enthält ein Samenkorn des Erfolgs.” Diese Worte stammen von Erich Lejeune, einem deutschen Unternehmer. Von einer erfolgreichen Selbstständigkeit träumen viele. Eine eigenes Unternehmen birgt viele Chancen, aber auch das Risiko des Scheiterns, sprich der Insolvenz. Die Gründe dafür sind vielfältig. Sie reichen von zahlungsunfähigen Kunden, familiären Gründen, über eine zu geringe Nachfrage und eine unzureichende Marktanalyse bis hin zu gravierenden Fehlern bei der Unternehmensführung.

Doch was geschieht, wenn der schlimmste Fall wirklich eintritt? Was bedeutet Insolvenz in der Selbstständigkeit? Und welche Folgen hat diese? Gilt das Verfahren der Privatinsolvenz auch für selbstständig Tätige? Und kann ein Schuldner selbstständig bleiben trotz Insolvenz? Mit diesen und anderen Fragen befasst sich der folgende Ratgeber.

Privatinsolvenz für selbstständig Tätige kurz zusammengefasst

  1. Privatinsolvenz können nur ehemalige Selbstständige beantragen, wenn sie maximal 19 Gläubiger haben und die Schulden nicht aus Arbeitsverhältnissen stammen. Alle anderen müssen die Regelinsolvenz beantragen.
  2. Über eine Selbstständigkeit während einem Insolvenzverfahren entscheidet der Insolvenzverwalter bzw. der Treuhänder.
  3. Vermeiden Sie die Insolvenz, indem Sie in guten Zeiten finanzielle Rücklagen bilden und sich umfassend über wirtschaftliche und rechtliche Aspekte informieren.

Wann muss ein Selbstständiger Insolvenz anmelden?

Gründe einer Insolvenz für selbstständig Tätige sind z. B. die tatsächliche oder drohende Zahlungsunfähigkeit.
Gründe einer Insolvenz für selbstständig Tätige sind z. B. die tatsächliche oder drohende Zahlungsunfähigkeit.
Wenn nicht genug Geld in die Kasse fließt, wird es irgendwann eng. Dennoch wollen die wenigsten Selbstständigen die Flinte gleich ins Korn werfen. Schließlich haben sie ihr ganzes Herzblut in das Unternehmen gesteckt.

Trotzdem lässt es sich in manchen Fällen nicht vermeiden, dass ein Selbstständiger Insolvenz anmelden muss. Bevor wir der Frage nachgehen, ob die Privatinsolvenz für selbstständig oder freiberuflich Tätige möglich ist, schauen wir uns zunächst an, wann eine Insolvenz des selbstständig Arbeitenden vorliegt.

Stellt sich nach einer realistischen Einschätzung der wirtschaftlichen Situation heraus, dass der Selbstständige bzw. der Freiberufler zahlungsunfähig ist oder dies in naher Zukunft sein wird, dann kommt die Insolvenz für Selbstständige in Betracht.

Was das genau bedeutet, erklärt § 17 Abs. 2 der Insolvenzordnung (InsO):

„Der Schuldner ist zahlungsfähig, wenn er nicht in der Lage ist, die fälligen Zahlungspflichten zu erfüllen. Zahlungsunfähigkeit ist in der Regel anzunehmen, wenn der Schuldner seinen Zahlungen einstellt.“

Konkret bedeutet das, dass der Selbstständige innerhalb von drei Wochen Liquiditätslücken von mindestens 10 Prozent aufweist, ohne dass er sicher davon ausgehen kann, dass diese in absehbarer Zeit ausgeglichen werden.

Soweit sollte es der Unternehmer gar nicht erst kommen lassen. Denn gerade bei einer drohenden Zahlungsunfähigkeit kann die Regel- oder Privatinsolvenz für selbstständig Tätige noch vermieden werden.

§ 18 Abs. 2 Inso definiert die drohende Zahlungsunfähigkeit wie folgt:

„Der Schuldner droht zahlungsunfähig zu werden, wenn er voraussichtlich nicht in der Lage sein wird, die bestehenden Zahlungspflichten im Zeitpunkt der Fälligkeit zu erfüllen.“

Selbstständig und insolvent? Das sollten Sie beachten

Egal ob Regel- oder Privatinsolvenz: Selbstständig tätige Personen erlangen am Ende des Verfahrens eine Restschuldbefreiung.
Egal ob Regel- oder Privatinsolvenz: Selbstständig tätige Personen erlangen am Ende des Verfahrens eine Restschuldbefreiung.
Ein Insolvenzverfahren hat unangenehme Folgen. Dennoch ist sie die einzige Möglichkeit, eine Restschuldbefreiung zu erlangen. Diese ermöglicht dem (ehemals) Selbstständigen einen Neuanfang ohne Schulden.

Hat ein Unternehmen eine bestimmte Rechtsform (GmbH, AG u. ä.) so muss der Verantwortliche, z. B. der Geschäftsführer, einen Insolvenzantrag stellen.

Dieser ist innerhalb von drei Wochen ab Kenntnis der Zahlungsunfähigkeit zu stellen. Anderenfalls macht sich der Verantwortliche der Insolvenzverschleppung strafbar.

Bei der Privatinsolvenz für (ehemals) selbstständig Tätige, deren Unternehmen keine juristische Person wie die GmbH ist, gilt diese fristgerechte Antragspflicht in der Regel nicht.

Privatinsolvenz für selbstständig Tätige oder doch Regelinsolvenz?

Vor der Frage, welches Verfahren der Insolvenz bei Selbstständigen Anwendung findet, sollte immer der Versuch stehen, ein Insolvenzverfahren zu vermeiden. Durch entsprechende Verhandlungen mit den Gläubigern lässt sich die Insolvenz für Freiberufler und Selbstständige mitunter vermeiden.

Hierbei ist anwaltliche Unterstützung ratsam. Denn ein Anwalt für Insolvenzrecht hat eine andere Verhandlungsbasis gegenüber den Gläubigern als der Schuldner selbst.

Die Gläubiger wissen, dass eine Regel- oder Privatinsolvenz ihres selbstständig tätigen Schuldners unmittelbar bevorsteht, wenn sie das Vergleichsangebot zur Schuldenbereinigung ablehnen.

Ich bin selbstständig. Kann ich Privatinsolvenz beantragen?
Ich bin selbstständig. Kann ich Privatinsolvenz beantragen?
Lässt sich eine Insolvenz nicht abwenden, so stellt sich die Frage, welches Insolvenzverfahren Selbstständige beantragen können bzw. müssen.

Hier gilt folgende Grundregel:

  • Für alle Freiberufler, Selbstständigen und Unternehmen gilt die Regelinsolvenz.
  • Die Verbraucherinsolvenz bzw. Privatinsolvenz gilt hingegen für sogenannte natürliche Personen, also für Privatpersonen bzw. Verbraucher. Das sind z. B. Arbeitnehmer, arbeitslose Menschen und Rentner.
In beiden Fällen erhält der Schuldner am Ende des Verfahrens eine Restschuldbefreiung. Das heißt, er muss Altschulden, die während des Insolvenzverfahrens noch nicht ausgeglichen wurden, nicht mehr bezahlen. Diese Befreiung gilt jedoch nur für natürliche Personen, nicht für Unternehmen.

Gibt es eine Möglichkeit, die Privatinsolvenz als Selbstständiger zu beantragen?

In Ausnahmefällen steht die Privatinsolvenz auch ehemals selbstständig tätigen Menschen offen, die ihre Selbstständigkeit aufgegeben haben. Sie müssen dabei folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Vor der Beantragung der Privatinsolvenz muss die selbstständige Tätigkeit beendet sein.
  • Der Schuldner hat maximal 19 Gläubiger und überschaubare Vermögensverhältnisse.
  • Die Schulden dürfen nicht aus einem Arbeitsverhältnis stammen. Das heißt, er darf weder Löhne noch Lohnsteuern oder Sozialversicherungsabgaben schulden.

In allen anderen Fällen kann gewöhnlich keine Privatinsolvenz als Selbstständiger beantragt werden. Dieser muss dann die Regelinsolvenz durchlaufen.

Beantragt ein ehemals Selbstständiger die Verbraucherinsolvenz, so prüft das Insolvenzgericht zunächst, ob die Vermögensverhältnisse tatsächlich überschaubar sind. Sollte das nicht der Fall sein, so wird die beantragte Privatinsolvenz des ehemals selbstständig Tätigen vom Insolvenzgericht versagt und ein Regelinsolvenzverfahren eingeleitet.

Selbstständig trotz Insolvenz – ist das möglich?

Ein Kleingewerbe trotz Privatinsolvenz anzumelden kann möglich sein, wenn der Treuhänder zustimmt.
Ein Kleingewerbe trotz Privatinsolvenz anzumelden kann möglich sein, wenn der Treuhänder zustimmt.
Unternehmer, die die Regelinsolvenz beantragt haben, können unter bestimmten Voraussetzungen selbstständig bleiben trotz Insolvenzverfahren. Für die Fortsetzung der Selbstständigkeit stellt sich aber nur die Frage des „Ob“, sondern auch des „Wie“.

Außerdem muss der Unternehmer mit seiner freiberuflichen oder gewerblichen Tätigkeit genügend Gewinn erwirtschaften, um davon seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können.

Weil sich die Ausgangslage bei jedem Unternehmer anders gestaltet, ist eine gute und umfassende Beratung ratsam. Außerdem entscheidet der Insolvenzverwalter über eine mögliche Selbstständigkeit des Insolvenzschuldners.

Auch Privatpersonen können sich unter Umständen selbstständig machen trotz ihrer Privatinsolvenz. Auch sie sollten sich zuvor von einer Schuldnerberatung oder einem Anwalt hierzu beraten lassen. Denn wer während der Privatinsolvenz selbstständig arbeiten möchte, benötigt ein gutes Konzept bzw. einen guten Businessplan. Sie müssen noch sorgfältiger planen als andere, schon weil ihnen aufgrund des mit der Privatinsolvenz verbundenen SCHUFA-Eintrags Kredite und andere Verträge eher verwehrt werden.

Beachten Sie bitte, dass auch bei der Verbraucherinsolvenz der Treuhänder über die Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit entscheidet. Sie benötigen dessen Zustimmung, anderenfalls riskieren Sie die Versagung der Restschuldbefreiung.

Tipps, um die Regel- oder Privatinsolvenz für selbstständig Tätige zu vermeiden

Regel- und Privatinsolvenz vermeiden und selbstständig bleiben.
Bilden Sie rechtzeitig finanzielle Rücklagen. So können Sie die Regel- und Privatinsolvenz vermeiden und selbstständig bleiben.
  • Legen Sie sich bereits in guten Zeiten einen finanziellen Puffer für unerwartete Notfälle zu, z. B. für mögliche Steuernachzahlungen.
  • Behalten Sie stets ihre finanzielle Situation im Blick, damit Sie jederzeit rechtzeitig reagieren können.
  • Beschäftigen Sie sich jedoch nicht nur mit den finanziellen Aspekten Ihrer Arbeit, sondern haben Sie auch die rechtlichen Grundlagen im Hinterkopf, beispielsweise wenn Ihr Unternehmen in einer bestimmten Rechtsform geführt werden soll.
  • Bleiben Sie bei einer drohenden Insolvenz auf keinen Fall untätig. Wer nichts tut, versinkt immer tiefer in der Schuldenfalle und verspielt die Chance auf eine Unternehmenssanierung. Wenden Sie sich an eine Schuldnerberatung für Selbstständige bzw. an einen Rechtsanwalt.

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