Der Insolvenzverwalter als zentrale Figur im Insolvenzverfahren

Welche Rechte hat ein Insolvenzverwalter? Was darf er alles?
Welche Rechte hat ein Insolvenzverwalter? Was darf er alles?
Der Insolvenzverwalter sorgt für die Durchführung des Insolvenzverfahrens. Er sitzt dabei sozusagen zwischen den Stühlen: Er muss zwischen Gläubigern und Schuldnern vermitteln. Einerseits muss er während der Insolvenz im Interesse der Gläubiger arbeiten und möglichst viel des Vermögens sichern, zum anderen arbeitet er auch auf eine Schuldenbefreiung des Schuldners hin.

Doch was macht eigentlich ein Insolvenzverwalter genau? Welche Aufgaben bei der Privatinsolvenz und der Unternehmensinsolvenz nimmt er wahr? Was darf ein Insolvenzverwalter alles (nicht)? Welche Stellung im Insolvenzrecht ein Insolvenzverwalter hat, welche Rechte und Pflichten ihm zustehen, soll im Folgenden geklärt werden.

Der Insolvenzverwalter kurz zusammengefasst

  1. Der Insolvenzverwalter wird durch Bestellung vom Insolvenzgericht zu Beginn eines Insolvenzverfahrens ernannt.
  2. Er nimmt die Insolvenzmasse in Besitz und ist für deren Verwaltung und Verwertung zuständig.
  3. Verletzt er während der Insolvenz seine Sorgfaltspflichten, muss er für den Schaden persönlich haften.

Weitere Informationen zum Insolvenzverwalter

Vorläufiger Insolvenzverwalter

Wie wird man Insolvenzverwalter?

Die Bestellung zum Insolvenzverwalter muss das Gericht vornehmen.
Die Bestellung zum Insolvenzverwalter muss das Gericht vornehmen.
Der Insolvenzverwalter hat in einem Insolvenzverfahren eine zentrale Rolle. Im Rahmen der Eröffnung eines solchen Verfahrens erfolgt durch das Insolvenzgericht, das in der Regel das örtlich zuständige Amtsgericht ist, seine Bestellung.

Insolvenzverwalter wird man also nicht durch eigene Initiative, sondern durch die gerichtliche Ernennung.

Bei seiner Bestellung erhält er eine Urkunde, die diese bestätigt, welche er bei der Beendigung seines Amtes, also am Ende des Insolvenzverfahrens, wieder zurückzugeben hat.

Nach dem Insolvenzverfahren kann er weiterhin als Treuhänder während der Wohlverhaltensphase bis zur Restschuldbefreiung tätig sein. Der Schuldner muss dann an ihn den pfändbaren Teil seines Einkommens abgeben.

Wer kann Insolvenzverwalter werden?

Für eine Ernennung zum Insolvenzverwalter müssen einige Voraussetzungen erfüllt werden. Laut § 56 der Insolvenzordnung muss der Insolvenzverwalter eine „für den jeweiligen Einzelfall geeignete, insbesondere geschäftskundige und von den Gläubigern und dem Schuldner unabhängige natürliche Person“ sein.

Wer kann Insolvenzverwalter werden?
Wer kann Insolvenzverwalter werden?
Eine bestimmte formale Qualifikation ergibt sich aus diesen Bestimmungen nicht. Jede als geeignet betrachtete Person kann vom Gericht als Insolvenzverwalter eingesetzt werden. In der Regel ist es aber so, dass die geforderten juristischen und wirtschaftlichen Kenntnisse am besten von Juristen (ggf. mit Spezialisierung in Insolvenzrecht), Wirtschaftsprüfern oder Steuerberatern vorgewiesen werden können.

Zudem muss der Insolvenzverwalter laut der Insolvenzordnung aus dem „Kreis aller zur Übernahme von Insolvenzverwaltungen bereiten Personen“ stammen. Dieser Kreis wird dergestalt bestimmt, dass die Gerichte mittels der Prüfung von Eignung und Qualifikationen eine Vorauswahl vornehmen.

Wer hier in den Kreis der möglichen Insolvenzverwalter aufgenommen wird, steht dann auf einer Liste, aus der im Einzelfall ein Verwalter ausgesucht und bestellt wird.

Was macht ein Insolvenzverwalter? – Aufgaben und Pflichten

Was hat ein Insolvenzverwalter eigentlich für Aufgaben? Die Rolle des Insolvenzverwalters ist ebenfalls in der Insolvenzordnung (InsO) festgelegt. Demnach geht bei der Eröffnung des Insolvenzverfahrens die Insolvenzmasse in den Besitz des Verwalters über. Es gehört zu seinen Aufgaben, dass der Insolvenzverwalter diese verwaltet und über sie verfügt.

Dies beinhaltet, dass er die Gegenstände identifiziert und aus der Insolvenzmasse entfernt, die nicht dem Schuldner gehören, und entsprechend diejenigen Gegenstände hinzufügt, die zwar diesem gehören, aber noch nicht berücksichtigt wurden. Anschließend muss der Insolvenzverwalter – ob Privatinsolvenz oder gewerbliche Insolvenz vorliegt, ist unerheblich – die Insolvenzmasse an die Gläubiger verteilen.

Vorläufiger Insolvenzverwalter

Ein vorläufiger Insolvenzverwalter kann schon vor dem Verfahren eingesetzt werden.
Ein vorläufiger Insolvenzverwalter kann schon vor dem Verfahren eingesetzt werden.
Ein vorläufiger Insolvenzverwalter kann dann vom Gericht bestellt werden, wenn zwar schon ein Antrag auf Insolvenz gestellt wurde, das Verfahren aber noch nicht eröffnet ist.

Der vorläufige Insolvenzverwalter hat die Aufgabe, in erster Linie für die Erhaltung und Sicherung des Vermögens des Schuldners zu sorgen, damit sich dieses vor der Verfahrenseröffnung nicht noch weiter vermindert.

Dazu gehört zum Beispiel auch, ein Unternehmen weiterzuführen, sofern der Schuldner eines besitzt.

In diesem Zusammenhang kann er auch prüfen, ob das vorhandene Vermögen ausreichen wird, um die Verfahrenskosten zu decken. Zusätzlich kann er vom Gericht als Sachverständiger mit der Prüfung beauftragt werden, ob ein Eröffnungsgrund für das Insolvenzverfahren vorliegt, d. h. ob Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung besteht.

Welche Pflichten hat ein Insolvenzverwalter gegenüber Gläubiger und Schuldner?

Seine Aufgaben im Insolvenzverfahren sind auch mit Pflichten verbunden. Er ist gehalten, sorgfältig, ordentlich und gewissenhaft zu arbeiten. So muss der Insolvenzverwalter bei der Verwaltung des Besitzes ein Verzeichnis sowohl über die Insolvenzmasse als auch über die Gläubiger führen. Er steht unter der Aufsicht des Insolvenzgerichts.

Verletzt ein Insolvenzverwalter seine Pflichten, haftet er für die Folgen.
Verletzt ein Insolvenzverwalter seine Pflichten, haftet er für die Folgen.
Zum Ende seiner Tätigkeit muss er der Gläubigerversammlung eine Schlussrechnung mit Belegen vorlegen. Die Versammlung kann ihm auch auferlegen, inmitten des Verfahrens Zwischenrechnungen vorzulegen.

Verletzt er die Pflichten, die ein Insolvenzverwalter gegenüber dem Gläubiger, aber auch dem Schuldner hat, so muss er dafür einstehen. Denn nach § 60 InsO haftet er für seine Pflichtverletzungen, wenn sie schuldhaft geschehen. Er ist in einem solchen Fall gegenüber allen Beteiligten zum Schadenersatz verpflichtet.

Insolvenzverwalter wechseln bei Privatinsolvenz

Sollte ein Schuldner mit einem Insolvenzverwalter nicht zufrieden sein, so ist die Erwirkung eines Wechsels nicht einfach. Sollte der Verwalter seine Pflichten nicht erfüllen, so kann das Insolvenzgericht als Aufsichtsinstitution ihn entlassen und einen neuen Insolvenzverwalter einsetzen.

Anders sieht es für die Gläubiger aus: Diese können in der ersten Gläubigerversammlung nach der Bestellung des Insolvenzverwalters eine andere Person an dessen Stelle wählen. Gegen diese Wahl kann das Gericht sich nur dann wenden, wenn die Person die fachlichen Anforderungen nicht erfüllt.

Vergütung des Insolvenzverwalters

Der Insolvenzverwalter erhält eine Vergütung für seine Tätigkeit.
Der Insolvenzverwalter erhält eine Vergütung für seine Tätigkeit.
Für seine Tätigkeit wird der Insolvenzverwalter nach § 63 InsO vergütet. Dabei richtet sich sein Honorar nach dem Wert der Insolvenzmasse zum Ende des Verfahrens. Von den ersten 25.000 Euro erhält er beispielsweise in der Regel 40 Prozent. Mit einer höheren Masse verringert sich dieser Prozentsatz. Bei besonders umfangreichen oder schwierigen Fällen kann die Vergütung entsprechend angepasst werden.

Der vorläufige Insolvenzverwalter wird ebenfalls vergütet: Er erhält in der Regel 25 % der Vergütung des Insolvenzverwalters.

Für den Fall, dass die Verfahrenskosten gestundet werden, der Schuldner also nicht dafür aufkommen muss, geht der Insolvenzverwalter aber nicht leer aus. Er bekommt dann sein Honorar aus der Staatskasse.

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