Auswandern bei Insolvenz: Was ist hierbei zu beachten?

Auswandern bei Insolvenz: Für viele ein Traum, doch wie sehen die realen Möglichkeiten aus?
Auswandern bei Insolvenz: Für viele ein Traum, doch wie sehen die realen Möglichkeiten aus?
Wer Schulden en masse hat, befindet sich in einer schwierigen Situation. Auf der einen Seite geht es darum, den Lebensunterhalt zu sichern, während auf der anderen Seite die Gläubiger auf die Rückzahlung der Schulden drängen. Manch einer kommt da auf den Gedanken, einfach auszuwandern und dem Ganzen zu entfliehen.

So einfach ist das aber nicht. Verbindlichkeiten lösen sich nämlich nicht einfach in Luft auf. Es gibt aber zwei Varianten, die das Ausland und den Schuldenabbau miteinander verbinden. Zum einen können Schuldner auswandern, um ein Insolvenzverfahren im Ausland zu durchlaufen und auf diese Weise schuldenfrei zu werden. Zum anderen können sie während einer laufenden Insolvenz auswandern.

Inwiefern diese Varianten möglich sind und was genau dabei zu beachten ist, soll im folgenden Ratgeber näher betrachtet werden.

Das Auswandern bei Insolvenz kurz zusammengefasst

  1. Das Auswandern bei einer Insolvenz kann entweder für eine Auslandsinsolvenz erfolgen oder während einer laufenden Insolvenz in Deutschland.
  2. Ein ausländisches Insolvenzverfahren (z. B. die EU-Insolvenz) bieten unter Umständen eine schnellere Restschuldbefreiung.
  3. Wer während einer deutschen Insolvenz auswandert, sollte auf die Einhaltung seiner Obliegenheiten achten.

Auswandern für ein Insolvenzverfahren im Ausland

Auswandern für ein Insolvenzverfahren im Ausland kann sich mitunter lohnen, wenn die Schulden dadurch früher weg sind.
Auswandern für ein Insolvenzverfahren im Ausland kann sich mitunter lohnen, wenn die Schulden dadurch früher weg sind.
Seit es EU-Bürgern möglich ist, in einem anderen Mitgliedsstaat der Europäischen Union Insolvenz anzumelden, nutzen auch viele Deutsche diese Möglichkeit. Eine entscheidende Hürde für das Auswandern bei einer Insolvenz im Ausland ist, dass für eine Insolvenzanmeldung ein Wohnsitz in dem betreffenden Land vorliegen muss – mindestens für sechs Monate.

Der Grund dafür, dass Deutsche auswandern, um bei einer Insolvenz das Verfahren im Ausland durchzuführen, liegt darin, dass die Gesamtdauer bis zur Restschuldbefreiung in Deutschland in der Regel sechs Jahre beträgt. Erst dann sind die Schulden weg und ein finanzieller Neuanfang kann gewagt werden.

In anderen EU-Staaten sind die Verfahren hingegen deutlich kürzer. Ein beliebtes Insolvenzland ist zum Beispiel England. Dort dauert die Insolvenz bis zur Restschuldbefreiung nur ein Jahr, was für viele Schuldner deutlich attraktiver ist.

Wer seine Privatinsolvenz im Ausland durchführen möchte, sollte sich eingehend von einem Anwalt für Insolvenzrecht oder einer Schuldnerberatung beraten lassen. Das Auswandern bei einer Insolvenz ist mit einigem Aufwand und auch mit Kosten verbunden, da z. B. Unterkunft und Gebühren bezahlt werden müssen.

Auswandern trotz Insolvenz in Deutschland

Ein anderes Vorgehen liegt vor, wenn ein Schuldner auswandern möchte bei laufender Insolvenz in Deutschland. Hiermit sind andere Schwierigkeiten verbunden als mit einer Verbraucherinsolvenz im Ausland.

Wer auswandern möchte trotz Insolvenz in Deutschland, sollte auf die Einhaltung aller Pflichten achten.
Wer auswandern möchte trotz Insolvenz in Deutschland, sollte auf die Einhaltung aller Pflichten achten.
Zunächst muss der insolvente Schuldner für die Insolvenzanmeldung beim Amtsgericht seinen Wohnsitz noch in Deutschland haben. Um hier eine Privatinsolvenz anzumelden, muss er also zwingend noch hierbleiben – ein vorheriges Auswandern ist nicht möglich.

Sobald das Insolvenzverfahren läuft, ist es aber durchaus möglich, das Land zu verlassen. Innerhalb der Insolvenz hat der Schuldner aber vielfältige Pflichten, die er nicht vernachlässigen sollte, da sonst die Restschuldbefreiung gefährdet sein könnte.

So hat er beispielsweise umfangreiche Auskunftspflichten gegenüber dem Insolvenzverwalter bzw. Treuhänder. Auch zu Terminen muss er sich nach Aufforderung einfinden. Um diese und andere Obliegenheiten angemessen erfüllen zu können, ist es sinnvoll, das Auswandern bei einer Insolvenz nie ohne eine rechtliche Vertretung in Deutschland durchzuführen.

Diese rechtliche Vertretung kann dem Insolvenzverwalter als Ansprechpartner dienen und die Beschlüsse des Insolvenzgerichts empfangen.

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4 Replies to “Auswandern bei Insolvenz: Was ist hierbei zu beachten?”

  1. bin schon ausgewandert nach Ägypten bevor ich in die Lage kam das ich Insolvenz anmelden muss aber ich habe einen lebenslängliche Wohnsitz Frage wie geht es hier weiter

    • Hallo Gerald,

      die Privatinsolvenz können Sie in Deutschland nur anmelden, wenn Sie dort über einen Wohnsitz verfügen.

      Ihr Team von privatinsolvenz.net

  2. Hallo habe 2014 Privatinsolvenz angemeldet, möchte im Sommer 2019 ins Ausland gehen, ich habe aber angst es meinem Rechtsanwalt zu sagen. Was passiert dann? Ich bitte um Hilfe!
    DANKE Thomas

    • Hallo Thomas,

      wie Sie dem oben stehenden Text entnehmen können, ist es nicht verboten, während der Privatinsolvenz auszuwandern. Solange Sie weiterhin Ihren Pflichten nachkommen, sollten sich keine Probleme ergeben.

      Ihr Team von privatinsolvenz.net

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