Privatinsolvenz: Welche Kosten fallen an?

Privatinsolvenz: Welche Kosten kommen auf den insolventen Schuldner zu?
Privatinsolvenz: Welche Kosten kommen auf den insolventen Schuldner zu?
Die Privatinsolvenz ist für viele der letzte Ausweg, um seine Schulden loszuwerden. Bevor ein solches Verfahren aber beantragt wird, sollte der Schuldner gut über die Einzelheiten und Bedingungen Bescheid wissen.

Hierzu gehören bei der Privatinsolvenz auch die Kosten des Verfahrens. Wie viel kostet das Insolvenzverfahren eigentlich? Es klingt zwar paradox, doch die Erlangung der Schuldenbefreiung durch dieses gerichtliche Verfahren geschieht tatsächlich nicht kostenfrei. Die Beratung, das Gericht, der Insolvenzverwalter – alles hat seine Kosten und muss bei einer Insolvenz bezahlt werden.

Doch an welchen Stellen fallen in der Privatinsolvenz die Kosten an? Welche Möglichkeiten gibt es, die Kosten zu reduzieren oder ganz zu umgehen? Wie verhält es sich mit den Kosten eigentlich bei Hartz-4-Bezug? Diese Fragen sollen im Folgenden geklärt werden.

Die Kosten der Privatinsolvenz kurz zusammengefasst

  1. Eine Privatinsolvenz bringt immer Kosten mit sich. Neben möglichen Kosten für eine Beratung sind dies in jedem Fall die Gerichtskosten und die Vergütung des Insolvenzverwalters.
  2. Wenn die Verfahrenskosten nicht vom Schuldner getragen werden können, ist eine Stundung bis zur Restschuldbefreiung möglich.
  3. Werden die Verfahrenskosten bereits vorzeitig beglichen, kann die Restschuldbefreiung schon nach drei oder fünf Jahren erteilt werden.

Eine Privatinsolvenz bringt auch Kosten mit sich: Welche genau?

Bei der Privatinsolvenz werden Verfahrenskosten vor Gericht fällig.
Bei der Privatinsolvenz werden Verfahrenskosten vor Gericht fällig.
Zwar bedeutet der Eintritt in die Privatinsolvenz, dass die betreffende Person zu viele Schulden und somit nicht genügend Geld zur Verfügung hat, doch dies führt nicht dazu, dass das Verfahren der Privatinsolvenz für ihn kostenlos ist.

Verschiedene Posten verursachen bei der Privatinsolvenz Kosten. Hierzu gehören die Beratung im Vorfeld, Gebühren vor Gericht und die Vergütung des Insolvenzverwalters bzw. des Treuhänders in der Wohlverhaltensphase.

Von der Beratung zur Privatinsolvenz: Kosten im Vorfeld

Der erste Schritt in Richtung einer Insolvenz ist das Aufsuchen einer Schuldnerberatung. Denn bevor das eigentliche Verfahren beantragt werden kann, muss zuvor eine außergerichtliche Einigung mit den Gläubigern angestrebt werden. Erst wenn die Gläubiger ablehnen oder der Versuch anderweitig scheitert, kann der Antrag für die Insolvenz eingereicht werden – zusammen mit einer Bescheinigung über die missglückte Einigung.

Eine solche Bescheinigung stellen anerkannte Schuldnerberatungsstellen sowie Anwälte für Insolvenzrecht aus, welche beide im Rahmen einer Privatinsolvenz beraten. Die Kosten unterscheiden sich hierbei jedoch.

Schuldnerberatungsstellen mit und ohne Kosten

Viele Schuldnerberatungsstellen bieten eine Beratung zur Privatinsolvenz an, ohne Kosten zu erheben. Diese Stellen sind für gewöhnlich in städtischer oder gemeinnütziger Trägerschaft. Das Problem dieser kostenfreien Beratungsstellen ist jedoch, dass in der Regel mit sehr langen Wartezeiten zu rechnen ist. Aus diesem Grund weichen Schuldner zum Teil auf kostenpflichtige Alternativen aus.

Dies können etwa die kommerziellen Schuldnerberatungsstellen sein. Da diese nicht von der Kommune oder einem gemeinnützigen Verein betrieben werden, muss für die Beratungsdienste bezahlt werden, wobei die genauen Kosten je nach Anbieter variieren.

Ob es sich tatsächlich um einen seriösen Anbieter handelt, ist für den Schuldner gerade bei nicht gemäß § 305 InsO anerkannten Stellen oft schwer zu beurteilen. Es sollte daher immer zu Beginn um eine Kostenaufstellung gebeten werden. Wenn der Anbieter seine Gebühren angemessen und transparent darlegt, ist dies schon einmal ein gutes Zeichen.

Privatinsolvenz: Anwalt verursacht Kosten

Privatinsolvenz: Auch der Anwalt führt zu Kosten.
Privatinsolvenz: Auch der Anwalt führt zu Kosten.
Sollte auf den Besuch einer Schuldnerberatungsstelle verzichtet werden, fallen bei der Privatinsolvenz Kosten für einen Anwalt an. Wie hoch diese ausfallen, hängt vom Einzelfall ab, etwa von der Anzahl der Gläubiger. Daher sollten Schuldner sich stets im Vorfeld erkundigen, wie die Kosten für die Privatinsolvenz sich genau zusammensetzen und wie hoch sie insgesamt ausfallen werden.

Wer sich bei einer Privatinsolvenz die Rechtsanwaltskosten nicht leisten kann, hat die Möglichkeit, Beratungshilfe beim Amtsgericht zu beantragen. Hierfür ist es in der Regel notwendig, dass eine kostenlose Schuldnerberatungsstelle Ihnen eine zu lange Wartezeit bescheinigt. Bei Vorlage des Beratungshilfescheins können Sie die anwaltliche Hilfe dann kostenfrei in Anspruch nehmen.

Die Verfahrenskosten der Privatinsolvenz

Was fällt bei einer Privatinsolvenz noch an Kosten an? Vor Gericht sind bei einer Privatinsolvenz die Verfahrenskosten zu zahlen. Diese setzen sich für den Schuldner aus zwei Komponenten zusammen:

  • Gebühren des Gerichts
  • Vergütung des Insolvenzverwalters/Treuhänders

Die Höhe der Gerichtskosten bei einer Privatinsolvenz hängt von der Insolvenzmasse ab. Je größer diese ist, desto höher sind bei der Privatinsolvenz auch die Gerichtskosten.

Die Kosten für den Insolvenzverwalter der Privatinsolvenz hängen ebenfalls von der Insolvenzmasse ab. Zudem ist geregelt, dass er eine Mindestvergütung erhält, die von der Zahl der Gläubiger abhängt.

In der Wohlverhaltensphase, die sich an das Insolvenzverfahren anschließt, muss dann der Treuhänder vergütet werden. Bei der Privatinsolvenz sind die Kosten für den Treuhänder wieder von der Höhe der von ihm betreuten Geldsumme abhängig.

Stundung der Verfahrenskosten

Das Gericht kann die Verfahrenskosten der Privatinsolvenz stunden.
Das Gericht kann die Verfahrenskosten der Privatinsolvenz stunden.
Bei Schuldnern, die nicht genug Geld aufbringen können, um im Verfahren der Privatinsolvenz die Kosten zu tragen, kann das Gericht diese stunden, sodass der Schuldner sie während des Verfahrens nicht bezahlen muss. Die Stundung ist bis zur Erteilung der Restschuldbefreiung wirksam und betrifft auch nach der eigentlichen Privatinsolvenz die Treuhänder-Kosten in der Wohlverhaltensphase.

Anschließend, also erst nach erfolgreichem Abschluss der gesamten Privatinsolvenz, müssen die Kosten beglichen werden. Mit dem Gericht kann hierzu eine Ratenzahlung vereinbart werden. Sollte der ehemalige Schuldner nicht über ein ausreichendes Einkommen verfügen, können sogenannte Nullraten vereinbart werden, die darauf hinauslaufen, dass letztlich keine Insolvenzkosten gezahlt werden müssen.

Prozesskostenhilfe wird hingegen nicht für das Insolvenzverfahren gewährt.

Verkürzung der Privatinsolvenz: Kosten vorzeitig bezahlt

Eine wichtige Rolle spielen die Verfahrenskosten, wenn der Schuldner beabsichtigt, das Verfahren zu verkürzen. Statt nach dem Ablauf von sechs Jahren kann er nämlich schon nach fünf oder frühestens drei Jahren frei von Schulden sein.

Wie funktioniert diese Verkürzung? Wenn der Schuldner die in der Privatinsolvenz fälligen Kosten für Insolvenzverwalter und Gericht bereits beglichen hat, kann die Restschuldbefreiung schon nach fünf Jahren gewährt werden. Die Forderungen der Gläubiger müssen dann nicht weiter befriedigt werden.

Nach drei Jahren ist die vorzeitige Restschuldbefreiung möglich, wenn Sie innerhalb dieser Zeit nicht nur die Vergütung für den Insolvenzverwalter und die Gerichtskosten der Privatinsolvenz bezahlen, sondern zusätzlich auch 35 % der Forderungen der Gläubiger befriedigen, kann das Gericht einem entsprechenden Antrag stattgeben.

Privatinsolvenz: Kosten bei Hartz 4

Privatinsolvenz: Kosten fallen auch bei Hartz-4-Bezug an.
Privatinsolvenz: Kosten fallen auch bei Hartz-4-Bezug an.
Es ist kein abwegiges Szenario, dass ein Hartz-4-Empfänger die Insolvenz beantragt, da Arbeitslosigkeit einer der Hauptauslöser von übermäßigen Schulden ist. Doch wie wird in einem solchen Fall mit den Gebühren verfahren? Müssen die Kosten einer Privatinsolvenz vom Hartz-4-Empfänger getragen werden?

Wie bei allen anderen Antragstellern auch ist das Insolvenzverfahren bei einem Bezug von ALG 2 nicht kostenfrei. Da aber in diesem Fall nachweislich ein sehr geringes Einkommen vorliegt und Rücklagen ebenfalls nicht in großem Maßstab vorhanden sein werden, bietet sich hier die Beantragung der oben behandelten Stundung an. Von einer Gewährung kann bei Hartz 4 in der Regel ausgegangen werden.

Bildnachweise:
– istockphoto.com/Vladstudioraw
– fotolia.com/Iurii Sokolov
– istockphoto.com/epitavi

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (57 Bewertungen, Durchschnitt: 4,50 von 5)
Loading...

2 Replies to “Privatinsolvenz: Welche Kosten fallen an?”

  1. hallo,
    seid ende August ist meine Privatinsolvenz beendet gewesen, was kommt jetzt, und wie lange wird es dauern die Rechtschuldbefreiung.
    Wann hört man den Schlußbericht vom Insolvenzverwalter in schriftlicher Form und zugesand.

    • Hallo Rudolf,

      damit die Privatinsolvenz mit der Restschuldbefreiung enden kann, muss zunächst noch eine Anhörung aller Beteiligten stattfinden. Erst danach trifft das Gericht die Entscheidung darüber, ob die Restschuldbefreiung erfolgt. Das kann je nach Aufwand einige Wochen in Anspruch nehmen.

      Ihr Team von privatinsolvenz.net

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*