Privatinsolvenz: Mit welcher Dauer müssen Schuldner rechnen?

Beim Privatinsolvenzverfahren hängt die Dauer von verschiedenen Faktoren ab.
Beim Privatinsolvenzverfahren hängt die Dauer von verschiedenen Faktoren ab.

Gering- und Normalverdiener können größere Ausgaben, wie etwa für ein neues Auto, häufig nur mit Hilfe von Krediten stemmen. Wird es am Ende des Monats einmal finanziell knapp, hilft der Dispokredit von der Bank aus.

Im Normalfall stellen solche Schulden kein großes Problem dar, kann den Zahlungsverpflichtungen doch stets pünktlich nachgekommen werden. Problematisch wird es allerdings, wenn es zu einer Überschuldung kommt. Hiervon wird gesprochen, wenn die bestehenden Verbindlichkeiten das Vermögen des Schuldners übersteigen. Ist keine Besserung der wirtschaftlichen Lage in Sicht, bleibt als letzter Ausweg häufig nur die Privatinsolvenz.

Am Ende des Verfahrens winkt die ersehnte Restschuldbefreiung, der Schuldner wird endlich seine Schulden los. Doch der Weg dorthin ist hart und steinig. Kein Wunder, dass sich viele Betroffene fragen, wie es um die für eine Privatinsolvenz angesetzte Dauer bestellt ist.

Dauer der Privatinsolvenz kurz zusammengefasst

  1. Die Frage „Wie lange dauert ein Privatinsolvenzverfahren?“ kann nicht pauschal beantwortet werden.
  2. Vielmehr beeinflussen unterschiedliche Faktoren die Dauer von einem Privatinsolvenzverfahren.
  3. Besonders wichtig bezüglich der für eine Privatinsolvenz angesetzten Dauer ist die sogenannte Wohlverhaltensphase. Diese dauert in der Regel sechs Jahre, kann jedoch auf drei oder fünf Jahre verkürzt werden.

Welchen Zweck erfüllt die Privatinsolvenz?

Endlich schuldenfrei: Am Ende der für die Privatinsolvenz zu erwartenden Dauer steht die Restschuldbefreiung.
Endlich schuldenfrei: Am Ende der für die Privatinsolvenz zu erwartenden Dauer steht die Restschuldbefreiung.

Um die für eine Privatinsolvenz angesetzte Dauer ermitteln zu können, müssen wir uns zunächst damit beschäftigen, wie das Verfahren überhaupt abläuft und welchen Zweck es erfüllt.

Grundsätzlich möchten zahlungsunfähige Schuldner im Zuge des privaten Insolvenzverfahrens schuldenfrei werden. Dies wird ihnen durch die sogenannte Restschuldbefreiung ermöglicht, die unter bestimmten Voraussetzungen am Ende des Verfahrens erteilt wird.

Eine Privatinsolvenz durchläuft stets gewisse Schritte, die zwingend vorgeschrieben sind:

  1. Außergerichtlicher Einigungsversuch
  2. Anmeldung der Privatinsolvenz
  3. Gerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren
  4. Eröffnung des Insolvenzverfahrens
  5. Wohlverhaltensphase
  6. Restschuldbefreiung

Privatinsolvenz: Wie lange dauert die Wohlverhaltensphase?

Privatinsolvenz: Der Zeitraum der Wohlverhaltensphase kann verkürzt werden.
Privatinsolvenz: Der Zeitraum der Wohlverhaltensphase kann verkürzt werden.

Die für eine Privatinsolvenz angesetzte Dauer wird maßgeblich von der Wohlverhaltensperiode beeinflusst. In dieser Zeit hat der Schuldner verschiedene wichtige Pflichten.

Hierzu gehört es unter anderem, dass er sein pfändbares Einkommen an den Insolvenzverwalter abtritt, welcher das Geld wiederum einmal jährlich an die Gläubiger verteilt. Dies ist in der Regel natürlich nur möglich, wenn der Betroffene einer Erwerbstätigkeit nachgeht.

Ist er arbeitslos, muss der Schuldner sich ernsthaft darum bemühen, eine neue Arbeitsstelle zu finden. Sollte er erben, ist er außerdem dazu verpflichtet, die Hälfte der Erbschaft an den Insolvenzverwalter zu zahlen. Nur wenn diese und weitere strenge Regeln befolgt werden, ist am Ende der Wohlverhaltensphase die Restschuldbefreiung möglich, durch welche der Schuldner endlich schuldenfrei wird.

Doch wie ist es während der Privatinsolvenz um die Dauer der Wohlverhaltensphase bestellt? In der Regel beträgt deren Laufzeit bei der Privatinsolvenz sechs Jahre. Sie beginnt, sobald das eigentliche Insolvenzverfahren eröffnet wird und endet mit der Restschuldbefreiung.

Während der Privatinsolvenz kann die Laufzeit der Wohlverhaltensperiode jedoch auch unter gewissen Umständen auf drei oder fünf Jahre verkürzt werden. Wann dies möglich ist, erfahren Sie im Folgenden.

Privatinsolvenz: Schnelleres Ende nach drei oder fünf Jahren?

Bei der Privatinsolvenz beträgt die Dauer der Wohlverhaltensphase nicht immer sechs Jahre.
Bei der Privatinsolvenz beträgt die Dauer der Wohlverhaltensphase nicht immer sechs Jahre.

Wer die Frage „Wie lange dauert eine Privatinsolvenz?“ beantworten will, muss sich, wie bereits erwähnt, auch mit der Wohlverhaltensphase auseinandersetzen. Diese kann bei der Privatinsolvenz schon in drei Jahren vorbei sein, wenn gewisse Voraussetzungen erfüllt werden.

Eine solche Verkürzung von sechs auf drei Jahre ist möglich, wenn der Schuldner es schafft, während dieses Zeitraums 35 Prozent der gegen ihn gerichteten Forderungssumme an die Gläubiger sowie die für das Insolvenzverfahren entstandenen Kosten zu bezahlen. Hierzu gehören unter anderem die Kosten für den Insolvenzverwalter sowie die Gerichtskosten.

Die für die Privatinsolvenz angesetzte Dauer der Wohlverhaltensphase kann jedoch auch fünf Jahre betragen. Hierzu kommt es, wenn der Schuldner in dieser Zeit zumindest die kompletten Kosten für das Verfahren bezahlen konnte.

Zu beachten ist in diesem Zusammenhang, dass die private Insolvenz nicht automatisch nach drei oder fünf Jahren endet, wenn die Voraussetzungen für die Verkürzung der Wohlverhaltensphase erfüllt werden. Vielmehr müssen Schuldner in diesem Fall beim zuständigen Insolvenzgericht einen entsprechenden Antrag stellen.

Hat der Schuldner während der Privatinsolvenz die Dauer der Wohlverhaltensphase überstanden, kommt es in der Regel zur Restschuldbefreiung – der Betroffene ist dann endlich schuldenfrei. Allerdings werden bestimmte Schulden am Ende der privaten Insolvenz nicht erlassen. Hierzu gehören unter anderem:

  • Geldstrafen und -bußen
  • Zwangs- und Ordnungsgelder
  • Verbindlichkeiten aus Steuerstraftaten
  • Forderungen aufgrund einer Verletzung von Unterhaltspflichten
  • Verbindlichkeiten aus zinslosen Darlehen, welche zur Begleichung der Kosten für das Insolvenzverfahren gewährt wurden

Wie lange dauert die komplette Privatinsolvenz?

Eine Privatinsolvenz dauert wie lange? Auch die Vorbereitungszeit muss beachtet werden.
Eine Privatinsolvenz dauert wie lange? Auch die Vorbereitungszeit muss beachtet werden.

Um die Frage „Wie lange dauert bzw. geht eine Privatinsolvenz?“ zu beantworten, müssen wir nun das Verfahren in seiner Gesamtheit betrachten. Die für die Privatinsolvenz zu erwartende Dauer umfasst nämlich mehr Zeit als allein die Wohlverhaltensphase.

Zusätzlich muss zur Dauer der Privatinsolvenz die Zeit vor dem eigentlichen Verfahren hinzugerechnet werden. Hierzu gehört der Zeitraum, der benötigt wird, damit der beauftragte Anwalt oder eine andere beratende Stelle einen außergerichtlichen Einigungsversuch mit den Gläubigern unternehmen kann.

Es schließt sich der Antrag auf das private Insolvenzverfahren, welcher beim zuständigen Insolvenzgericht gestellt werden muss, an. Im Anschluss erfolgt das gerichtliche Schuldenbereinigungsverfahren, welches die Dauer einer Privatinsolvenz beeinflusst. Je nach Anzahl der Gläubiger sowie der Komplexität der Situation kann die gerichtliche Schuldenbereinigung länger dauern.

Es folgt das eigentliche Insolvenzverfahren, welches auf die für die Privatinsolvenz angesetzte Dauer hinzugerechnet werden muss. Auch hier ist von Bedeutung, wie viele Gläubiger involviert sind und als wie schwierig das Verfahren zu bewerten ist. Wie bereits erwähnt, beginnt mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens auch die drei, fünf oder sechs Jahre andauernde Wohlverhaltensphase. Das Verfahren endet schließlich mit der Restschuldbefreiung.

Wie lange geht die Privatinsolvenz also genau? Diese Frage lässt sich leider nicht pauschal beantworten. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die für die Privatinsolvenz angesetzte Dauer sowohl die Zeit der Wohlverhaltensphase umfasst sowie die nötige Vorbereitungszeit, welche je nach Komplexität und Anzahl der Gläubiger bei einigen Wochen bis zu Monaten oder sogar Jahren liegen kann.

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