Verbraucherinsolvenz: Ablauf, Kosten, Dauer und weitere Infos

Die Verbraucherinsolvenz ist ein beschwerlicher Weg, an dessen Ende die Restschuldbefreiung steht.
Die Verbraucherinsolvenz ist ein beschwerlicher Weg, an dessen Ende die Restschuldbefreiung steht.
Schulden lauern überall. Scheinbar war es selten einfacher als heute, einen Kredit aufzunehmen oder eine Null-Prozent-Finanzierung abzuschließen.

Doch Vorsicht: Denn eine falsche Entscheidung oder ein Unglück in Ihrem Privat- oder Berufsleben können alles verändern. Oft reicht eine Scheidung oder eine Kündigung, und Ihr bisher so sicheres, finanzielles Fundament fällt in sich zusammen.

Wenn Sie nun Ihrer Schulden durch Einkommen und Vermögen nicht mehr Herr werden, dann gelten Sie als überschuldet. Für viele Privatpersonen ist der letzte Ausweg dann die Verbraucherinsolvenz. Doch wie läuft ein Verbraucherinsolvenzverfahren ab? Gibt es einen Unterschied zwischen Privat- und Verbraucherinsolvenz? Welche Definition gilt? Diese und weitere Fragen werden in diesem Beitrag beantwortet.

Verbraucherinsolvenz kurz zusammengefasst

    1. Eine Verbraucherinsolvenz kann von privaten Schuldnern beantragt werden, die nicht selbständig tätig sind.
    2. Am Ende der Verbraucherinsolvenz steht die Restschuldbefreiung.
    3. Ein Insolvenzverfahren kann sich über Jahre hinziehen.

Spezifische Ratgeber zur Verbraucherinsolvenz

Ablauf der Verbraucherinsolvenz

Was ist eine Verbraucherinsolvenz?

Zuerst sollte geklärt werden, dass “Verbraucherinsolvenz” die eigentliche Bezeichnung für das ist, was oft ungenauerweise als Privatinsolvenz bezeichnet wird. Dabei handelt es sich um eine gerichtliche Schuldenregulierung, die durchgeführt werden kann, wenn eine natürliche Person, die nicht selbständig tätig ist, zahlungsunfähig ist.

Das Gesetz unterscheidet zwischen natürlichen und juristischen Personen. Mit natürlichen Personen sind Personen im eigentlichen Sinne gemeint, während juristische Personen auch Unternehmen, Verbände etc. sein können, wenn sie vor dem Gesetz mit Rechten und Pflichten ausgestattet sind.

Wo liegt zwischen Regelinsolvenz und Verbraucherinsolvenz der Unterschied?
Wo liegt zwischen Regelinsolvenz und Verbraucherinsolvenz der Unterschied?
Dementsprechend steht die Verbraucherinsolvenz der Unternehmensinsolvenz gegenüber, die für Unternehmen durchgeführt wird, sowie der Regelinsolvenz, die sich an Selbständige richtet.

Die Verbraucherinsolvenz ist ferner ein besonderes Verfahren in der Insolvenz-Ordnung (InsO).

Dies bedeutet, dass es ein im Vergleich zur Regelinsolvenz vereinfachtes Insolvenzverfahren ist und in der InsO separat in eigenen Paragraphen behandelt wird.

Wer kann eine Verbraucherinsolvenz anmelden?

Die Verbraucherinsolvenz wird im zehnten Teil der Insolvenz-Ordnung behandelt. In § 304 wird aufgeführt, wann eine natürliche Person ein Verbraucherinsolvenzverfahren beantragen kann. Dies ist der Fall, wenn sie keiner selbständigen wirtschaftlichen Tätigkeit nachgeht. Sollte sie doch selbständig sein, kann sie dennoch einen Antrag stellen, wenn ihre “Vermögensverhältnisse überschaubar” sind. Dies bedeutet im Klartext, dass sie weniger als 20 Gläubiger hat.

Außerdem ist Voraussetzung, dass der Schuldner im Vorfeld eine außergerichtliche Einigung mit den Gläubigern gesucht hat und diese erfolglos blieb.

Ablauf der Verbraucherinsolvenz laut Gesetz

Den Ablauf vom Verbraucherinsolvenzverfahren erklärt dieses Schaubild.
Den Ablauf vom Verbraucherinsolvenzverfahren erklärt dieses Schaubild.
Am Anfang der Verbraucherinsolvenz steht der Verbraucherinsolvenzantrag. Wie dieser auszusehen hat, bzw. welche Dokumente ihm beiliegen müssen, ist in § 305 InsO aufgeführt. Der Verbraucherinsolvenz sind als Formular Beizulegen

  • eine begründete Bestätigung darüber, dass eine außergerichtliche Einigung mit den Gläubigern gesucht wurde und erfolglos blieb,
  • der Antrag auf Erteilung von Restschuldbefreiung oder eine Erklärung, dass diese nicht beantragt werden soll,
  • ein vollständiges Verzeichnis des vorhandenen Vermögens und Einkommens,
  • ein Schuldenbereinigungsplan.

Ist der Antrag gestellt, kann das Verfahren im Falle der Bewilligung eingeleitet werden. Als erster Schritt steht ein erneuter Einigungsversuch mit den Gläubigern an. Diesmal kontaktiert das Gericht diese direkt und legt ihnen einen neuen Schuldenbereinigungsplan vor. Erst wenn die Gläubiger auch diesem Versuch nicht zustimmen, wird das eigentliche Verbraucherinsolvenzverfahren eröffnet.

Im Ablauf vom Verbraucherinsolvenzverfahren ist der nächste Schritt die Aufteilung des pfändbaren Restvermögens auf die Gläubiger. Ist diese vollzogen, endet die Verbraucherinsolvenz mit der Wohlverhaltensphase und schließlich der Restschuldbefreiung. Während der Wohlverhaltensperiode, die bis zu sechs Jahre dauern kann, müssen Schuldner gewissen Pflichten nachkommen.

So sind sie zum Beispiel verpflichtet, den pfändbaren Teil ihres Arbeitseinkommens an den Insolvenzverwalter zu übergeben und dem Gericht Arbeitsplatzwechsel und Umzüge mitzuteilen.

Wohlverhaltensperiode bei der Verbraucherinsolvenz

Ein Verbraucherinsolvenzverfahren mit all seinen Etappen kann mehrere Jahre dauern.
Ein Verbraucherinsolvenzverfahren mit all seinen Etappen kann mehrere Jahre dauern.
Im Verbraucherinsolvenzverfahren beträgt die Dauer der Wohlverhaltensphase in der Regel sechs Jahre. Diese kann unter gewissen Umständen allerdings auf drei oder fünf Jahre verkürzt werden.

Die Periode kann auf drei Jahre verkürzt werden, wenn ein Schuldner in dieser Zeit sowohl die Verfahrenskosten aus auch 35 Prozent der Forderungssumme bezahlt hat. Auf fünf Jahre wird die Wohlverhaltensphase verkürzt, wenn in dieser Zeit die Kosten des Verfahrens bezahlt werden konnten.

Eine Verletzung der in der Wohlverhaltensperiode bestehenden Pflichten kann für den Schuldner bedeuten, dass ihm seine Restschuldbefreiung verwehrt wird.

Restschuldbefreiung während der Verbraucherinsolvenz

Mit erfolgreichem Abschluss der Wohlverhaltensphase endet der Ablauf der Verbraucherinsolvenz in der Regel mit der Restschuldbefreiung. Schulden, die nun noch bestehen, werden dadurch ungültig und können von den Gläubigern nicht mehr eingefordert werden. Allerdings sind einige Schulden hiervon ausgeschlossen. Dazu gehören:

  • Zwangs- und Ordnungsgelder,
  • Bußgelder und Strafen,
  • Verbindlichkeiten aus Steuerstraftaten und andere.

Was sollten Sie vor einer Verbraucherinsolvenz beachten?

Verbraucherinsolvenz: Der Ablauf kann für Sie viele Strapazen mit sich bringen.
Verbraucherinsolvenz: Der Ablauf kann für Sie viele Strapazen mit sich bringen.
Bevor Sie den Antrag für eine Verbraucherinsolvenz stellen, sollten Sie sich einiger Dinge bewusst sein, wie etwa der Kosten der Verbraucherinsolvenz und ihrer Dauer.

Bei einem Verbraucherinsolvenzverfahren hängen die Kosten von verschiedenen Faktoren ab. Zum einen muss zu Anfang der Insolvenzverwalter und später der Treuhänder bezahlt werden, zum anderen sind Gerichtskosten von in der Regel zwischen 800 und 1.600 Euro zu tragen.

Diese Verfahrenskosten haben eine hohe Priorität während der Verbraucherinsolvenz und werden aus der Insolvenzmasse als erstes beglichen – vor den Ansprüchen der Gläubiger.

Auch die Dauer der Verbraucherinsolvenz kann variieren. Wie bereits erwähnt wurde, liegt allein die Zeitspanne der Wohlverhaltensphase bei drei bis sechs Jahren. Das vorausgehende Verfahren kann zwischen einigen Monaten und auch einigen Jahren andauern. Über den enormen Zeitaufwand sollten sich Schuldner, die eine Verbraucherinsolvenz beantragen, im Klaren sein.

Bildnachweise:
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