Ist die Privatinsolvenz ohne Anwalt möglich?

Privatinsolvenz ohne Anwalt: Ist das empfehlenswert?
Privatinsolvenz ohne Anwalt: Ist das empfehlenswert?
Überschuldet zu sein ist für Betroffene eine äußerst belastende Situation. Immer neue Mahnungen flattern ins Haus, die Schuldensumme steigt durch Zinsen und Mahngebühren und Gläubiger drohen mit Zwangsvollstreckungsmaßnahmen. Ein privates Insolvenzverfahren ist für viele Schuldner der letzte Ausweg aus der Schuldenfalle.

Die Insolvenz dauert im Regelfall etwas mehr als sechs Jahre. Zwar ist das Verfahren durchaus entbehrungsreich, dafür steht am Ende die Befreiung von den noch bestehenden Schulden. Da es sich um ein Verfahren vor Gericht handelt, fragen sich viele Betroffene, ob sie für die Anmeldung und Durchführung der Privatinsolvenz zwingend einen Anwalt benötigen.

Privatinsolvenz ohne Anwalt kurz zusammengefasst

  1. Sie können die Privatinsolvenz ohne Anwalt anmelden und durchlaufen. Es besteht kein gesetzlicher Anwaltszwang.
  2. Bedenken Sie allerdings, dass Sie die Gläubiger vor der Anmeldung der Insolvenz kontaktieren und ihnen einen außergerichtlichen Schuldenvergleich vorschlagen müssen. Den Nachweis darüber muss eine geeignete Stelle im Sinne von § 305 Abs. 1 Nr. 1 der Insolvenzordnung (InsO) – beispielsweise ein Anwalt – erbringen.
  3. Eine Alternative, wenn Sie das Insolvenzverfahren ohne Anwalt über die Bühne bringen möchten, aber dennoch Hilfe benötigen, ist die Schuldnerberatung.

Die Privatinsolvenz ohne Anwalt hat sowohl Vor- als auch Nachteile

Privatinsolvenz: Ohne Anwalt sind die Kosten häufig geringer.
Privatinsolvenz: Ohne Anwalt sind die Kosten häufig geringer.
Um die in der Überschrift gestellte Frage vorweg zu beantworten: Ja, Schuldner können eine Privatinsolvenz ohne Anwalt anmelden und durchlaufen. Weder die Insolvenzordnung noch ein anderes Gesetz geben einen Anwaltszwang vor. Sie dürfen also selbstständig die Eröffnung der Insolvenz beantragen und benötigen auch im laufenden Insolvenzverfahren keinen anwaltlichen Beistand.

Ein Insolvenzverfahren ohne die Unterstützung eines Anwalts in Angriff zu nehmen, hat unter anderem den folgenden Vorteil: Ein Anwalt muss für seine Dienste bezahlt werden. Die Insolvenz an sich bringt schon gewisse Kosten – die Vergütung des Insolvenzverwalters sowie die Gerichtskosten – mit sich. Diese müssen vom Schuldner getragen werden. Wird ein Anwalt beauftragt, erhöhen sich diese Kosten noch weiter. Die Privatinsolvenz ohne Anwalt zu durchlaufen stellt also eine günstigere Alternative dar.

Allerdings ist der Verzicht auf die Unterstützung durch einen Anwalt in manchen Fällen nicht anzuraten. Schon die Antragstellung, bei der viele Formulare korrekt ausgefüllt werden müssen, kann Betroffene überfordern. Werden Fehler gemacht und Vermögen verschwiegen, kann dies unter Umständen zu einer Versagung der Restschuldbefreiung führen. Ein Anwalt für Insolvenzrecht kennt sich genau in diesem Fachgebiet aus und kann Sie in allen Verfahrensschritten unterstützen. Er kann außerdem mit einem Gläubiger verhandeln und Sie, wenn nötig, vertreten und Ihre Korrespondenz übernehmen.

Bei allen Fragen dient er als Ansprechpartner. Das ist unter deshalb bedeutsam, da der Insolvenzverwalter oder das Insolvenzgericht nicht immer sofort auf Rückfragen reagiert. Bei einer Privatinsolvenz ohne Anwalt können wichtige Fragen offen bleiben.

Beachten Sie Folgendes: Bevor Sie die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragen können, müssen Sie zunächst versuchen, die Gläubiger um eine außergerichtliche Einigung zu bitten. Über das Scheitern des Versuchs muss eine geeignete Stelle einen entsprechenden Nachweis erstellen. Hierzu zählen unter anderem Rechtsanwälte, Steuerberater, Notare sowie bestimmte Schuldnerberatungsstellen.

Alternative: Hilfe durch die Schuldnerberatung

Sol die Privatinsolvenz ohne Anwalt ablaufen, kann die Schuldnerberatung weiterhelfen.
Sol die Privatinsolvenz ohne Anwalt ablaufen, kann die Schuldnerberatung weiterhelfen.
Möchten Sie die Privatinsolvenz ohne Anwalt durchlaufen, aber dennoch nicht auf Unterstützung und Beratung verzichten? In diesem Fall bietet sich die Hilfe durch eine Stelle der Schuldnerberatung an. Gemeinnützige und staatliche Stellen dieser Art arbeiten in der Regel kostenlos, während andere Anbieter für ihre Arbeit Kosten veranschlagen.

Kostenlos arbeitende Schuldnerberatungs­stellen sind natürlich besonders beliebt. Aus diesem Grund müssen sich Schuldner auf teils lange Wartezeiten einstellen, bevor sie einen Termin bekommen. Bei einem Anwalt geht dies meist sehr viel schneller.

Des Weiteren ist zu beachten, dass die Schuldnerberatung, wie der Name schon sagt, nur beratend tätig wird. Die Mitarbeiter können Fragen beantworten und Tipps geben. Sie liefern damit eher Hilfe zur Selbsthilfe. Der Schuldner muss wichtige Schritte jedoch selbst durchlaufen. Das bedeutet also, dass die Privatinsolvenz ohne Anwalt mehr Arbeit für den Betroffenen bedeutet.

Fazit: Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die Unterstützung durch einen Anwalt beim Insolvenzverfahren zwar zusätzliche Kosten mit sich bringt, dafür bekommen Schuldner jedoch meist recht zeitnah einen Beratungstermin. Des Weiteren nimmt der Anwalt dem Schuldner viel Arbeit ab und kann ihn gegenüber Dritten vertreten. Läuft eine Privatinsolvenz ohne Anwalt ab, ist dies meist kostengünstiger, dafür muss der Betroffene mehr Arbeit in das Verfahren investieren.

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