Sachpfändung: Wenn der Gerichtsvollzieher vor der Tür steht

Von Privatinsolvenz.net, letzte Aktualisierung am: 5. Februar 2021

Bei einer Sachpfändung kommt es zur Pfändung von Gegenständen.
Bei einer Sachpfändung kommt es zur Pfändung von Gegenständen.

Die Sachpfändung oder auch Pfändung beweglicher Sachen, setzt zunächst einen vollstreckbaren Titel voraus. Bei diesem Titel handelt es sich entweder um einen Vollstreckungsbescheid, einen gerichtlichen Vergleich, ein notarielles Schuldanerkenntnis oder ein Urteil.

Auf dieser Basis kann der Gläubiger den Vollstreckungsauftrag erwirken, wodurch eine Sachpfändung erfolgen kann, um die Forderungen zu begleichen. Die Zwangsvollstreckung (Mobiliarvollstreckung) beinhaltet die Pfändung von Sachen und dient lediglich der Deckung der Kosten.

Oft geht der Antrag auf Sachpfändung mit dem Antrag auf Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung einher, sofern der Schuldner keine pfändbaren Sachen besitzt.

Aber welche Gegenstände sind pfändbar? Darf bei einer Sachpfändung auch der PKW gepfändet werden?

Sachpfändung kurz zusammengefasst

Was ist eine Sachpfändung?

Bei dieser Art der Pfändung beschlagnahmt der Gerichtsvollzieher bewegliche Dinge, die sich im Gewahrsam des Schuldners befinden, z. B. technische Geräte oder ein Auto.

Darf der Gerichtsvollzieher alle Sachen des Schuldners pfänden?

Nein. Bestimmte unpfändbare Sachen muss der Gerichtsvollzieher dem Schuldner belassen, z. B. Haushaltsgegenstände, Kleidung oder notwendige Arbeitsmittel für die Berufsausübung.

Wie wahrscheinlich ist eine Sachpfändung, wenn der Gläubiger einen Vollstreckungstitel besitzt?

Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Meistens ist eine Kontopfändung oder Lohnpfändung lohnender für den Gläubiger. Erfährt er über eine Vermögensauskunft, dass der Schuldner wertvolle Gegenstände besitzt, wird er möglicherweise auch diese pfänden lassen.

Sachpfändung – Ablauf der Zwangsvollstreckung

Der Schuldner wird zunächst darauf aufmerksam gemacht, dass der Gläubiger die Zwangsvollstreckung seiner Forderungen mittels Sachpfändung durchführen will. Der Besuch von Gerichtsvollzieher und Vollzugsbeamten wird in der Regel im Voraus angekündigt.

Ist der Termin der Sachpfändung gekommen, darf Ihre Wohnung zunächst nur mit Ihrer Zustimmung durchsucht werden. Verweigern Sie diese, wird nach zwei weiteren Versuchen ein richterlicher Durchsuchungsbeschluss erwirkt, wodurch der Gerichtsvollzieher sich Zutritt zu Ihrer Wohnung verschaffen kann.

Der Gerichtsvollzieher wird sich anschließend umsehen, um pfändbare Gegenstände zu finden. Hierbei ist zunächst wichtig, dass diese Gegenstände auch mit entsprechendem Erlös versteigert werden können. Sollte es nicht möglich sein, dass zu pfändende Objekt direkt mitzunehmen, wird es zunächst mit einem Pfandsiegel (Kuckuck) versehen.

Sollte der Gerichtsvollzieher nicht genug pfändbare Sachen vorfinden, wird er in der Regel die Eidesstattliche Versicherung abnehmen.

Sie können zusätzlich versuchen eine Ratenzahlung zu vereinbaren, um den Forderungen nachzukommen. Wenn Sie bereits eine Schuldnerberatung aufgesucht haben, kann diese zudem mit dem Gläubiger in Kontakt treten.

Sachpfändung: Was darf gepfändet werden?

Auch bei einer Sachpfändung dürfen nicht alle Gegenstände des Schuldners gepfändet werden. Es gibt eine Reihe nicht pfändbarer Gegenstände sowie solche, die nur bedingt pfändbar sind.

Pfändungsfreie Gegenstände

Bei einer Sachpfändung können Pfändungsgegenstände mit einem Siegel versehen werden.
Bei einer Sachpfändung können Pfändungsgegenstände mit einem Siegel versehen werden.

Folgende Gegenstände sind nicht pfändbar, sofern sie keinen unüblich hohen Wert haben:

  1. Kleintiere
  2. Geräte zum Zwecke der Informationsbeschaffung (Radio, Fernseher), die keinen besonderen Wert haben
  3. Kleidung, Wäsche, Betten, Haus- und Küchengeräte, sofern sie einer angemessenen Lebensführung entsprechen
  4. Brillen, Prothesen oder andere Hilfsmittel, die aufgrund körperlicher Gebrechen notwendig sind
  5. Trauringe und Ehrenzeichen

Bedingt pfändbare Gegenstände

Diese Gegenstände sind nicht pfändbar, sofern sie keinen besonderen Wert aufweisen und diese für die Erwerbstätigkeit des Schuldners oder aus gesundheitlichen Gründen benötigt werden.

  1. PKW
  2. Fahrrad
  3. Motorroller
  4. Computer

Es sollte jedoch beachtet werden, dass diese Dinge den üblichen Wert nicht übersteigen, um unpfändbar zu sein. Insofern ist zum Beispiel der Computer pfändbar, wenn er über einen hohen Wert verfügt. In diesem Fall kann es zu einer Austauschpfändung kommen und das Gerät gegen einen funktionstüchtigen Ersatz getauscht werden, der einen geringeren Wert hat.

Bildnachweise:
– fotolia.com/marcus_hofmann
– eigenes Bild

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