Aktuelle Pfändungsfreigrenze – Existenzsicherung bei Pfändungen und im Insolvenzverfahren

Die Pfändungsfreigrenze soll dem Schuldner ein Existenzminimum gewähren.
Die Pfändungsfreigrenze soll dem Schuldner ein Existenzminimum gewähren.
Wenn jemand seine Schulden nicht bezahlt, kann der Gläubiger die Zwangsvollstreckung gegen seinen Schuldner betreiben.

Eine Privatperson, die zahlungsunfähig oder überschuldet ist, kann aber auch Privatinsolvenz beantragen. Auch hier werden die offenen Forderungen der Gläubiger befriedigt.

Sowohl bei der Zwangsvollstreckung bzw. Pfändung als auch im Insolvenzverfahren wird das Vermögen des Schuldners eingezogen und verwertet. Der Erlös soll die Schulden tilgen. Trotzdem muss dem Schuldner genug Einkommen bleiben, um seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Hierfür soll die Pfändungsfreigrenze sorgen.

Pfändungsfreigrenze kurz zusammengefasst

  1. Die Pfändungsfreigrenze soll dem Schuldner trotz Pfändung oder Insolvenzverfahren ein gewisses Existenzminimum sichern.
  2. Der Pfändungsfreibetrag ist gesetzlich festgelegt und wird regelmäßig angepasst.
  3. Wie hoch ist die Pfändungsgrenze? Dies richtet sich nach dem Nettoeinkommen und danach, ob und wie vielen Personen der Schuldner Unterhalt zahlen muss.

Was ist die Pfändungsfreigrenze und warum gibt es sie?

Der Pfändungsfreibetrag sorgt außerdem dafür, dass der Schuldner mit dem unpfändbaren Gehaltsanteil seinen Unterhaltspflichten nachkommen kann.
Der Pfändungsfreibetrag sorgt außerdem dafür, dass der Schuldner mit dem unpfändbaren Gehaltsanteil seinen Unterhaltspflichten nachkommen kann.
Würde das gesamte Arbeitseinkommen eines Schuldners gepfändet werden, so könnte dieser z. B. weder seine Miete noch den Strom bezahlen.

Seine einzige Möglichkeit, um über die Runden zu kommen, wäre es dann, Sozialleistungen zu beantragen. Letztendlich würde dann die Allgemeinheit bzw. der Steuerzahler für dessen Schulden einstehen.

Genau das soll der Pfändungsfreibetrag verhindern. Ein Schuldner soll nach dem Willen des Gesetzgebers immer über ein gewisses Existenzminimum verfügen und seine gesetzlichen Unterhaltsleistungen erfüllen können.

Die Pfändungsfreigrenze gilt auch bei der Privatinsolvenz. Denn auch im Insolvenzverfahren soll dem Schuldner ein Existenzminimum zur Verfügung stehen.

Die Pfändungsfreigrenze ist in § 850c Zivilprozessordnung (ZPO) sowie der im Anhang befindlichen Pfändungstabelle dieses Gesetzes geregelt. Regelmäßige Anpassungen der Tabelle durch den Gesetzgeber führen dazu, dass sich die Beträge der Pfändungsfreigrenze regelmäßig erhöhen. Die letzte Anpassung erfolgte zum 1. Juli 2017. Die nächste Erhöhung ist 2019 zu erwarten.

Wie hoch ist der Pfändungsfreibetrag?

Seit dem 1. Juli 2017 fallen 1.139,99 Euro des monatlichen Einkommens unter die Pfändungsfreigrenze. Wenn Sie Ihren Pfändungsfreibetrag berechnen möchten, müssen Sie zunächst Ihr Nettoeinkommen ermitteln. Zum Nettoeinkommen im Sinne der Pfändungstabelle zählen folgende Beträge:

  • Gehalt, abzüglich bestimmter Zulagen das Arbeitgebers wie z. B. vermögenswirksam angelegte Einkommensteile und die Hälfte eines ausgezahlten Weihnachtsgeldes bis maximal 500 Euro, Urlaubsgeld und die Vergütung von Mehrarbeit
  • Altersrente
  • ALG 1 und ALG 2 bzw. Hartz 4

Die Pfändungsfreigrenze beim Ehepaar ist unterschiedlich. Sie richtet sich u. a. nach bestehenden Unterhaltspflichten.
Die Pfändungsfreigrenze beim Ehepaar ist unterschiedlich. Sie richtet sich u. a. nach bestehenden Unterhaltspflichten.
Die Höhe des pfändbaren Einkommens richtet sich danach, wie vielen Personen gegenüber Sie unterhaltspflichtig sind. So erhöht sich z. B. Ihre Pfändungsfreigrenze, wenn Sie verheiratet sind und Ihr Ehegatte über kein eigenes Einkommen verfügt oder wenn leibliche Kinder in Ihrem Haushalt leben.

Wie hoch der pfändbare Betrag im Einzelfall ausfällt, können Sie dem unten stehenden Auszug aus der Pfändungstabelle entnehmen.

Die Spalten zur Anzahl der Personen enthalten den pfändbaren Betrag bei Unterhaltspflicht. Alle Angaben erfolgen in Euro-Beträgen.

mtl. Nettolohn 0 Pers.1 Pers.2 Pers.3 Pers.
bis 1.139,99----
1.140,00 - 1.149,994,34---
1.150,00 - 1.159,9911,34---
1.160,00 - 1.169,9918,34---
1.300,00 - 1.309,99116,34---
1.570,00 - 1.579,99305,344,75--
Achtung: Alle Beträge, die über 3.475,79 Euro liegen, sind voll pfändbar.
Die vollständige Pfändungstabelle können Sie auf den Seiten des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz abrufen.

Pfändungsfreigrenze für Renter – Die wichtigsten Infos

Die Pfändungsgrenze gilt auch für die Rente.
Die Pfändungsgrenze gilt auch für die Rente.
Auch Rentner können wegen Zahlungsunfähigkeit oder einer hohen Verschuldung von einer Pfändung betroffen sein. Nicht nur bei berufstätigen Schuldnern kann ein Teil des Einkommens zur Schuldenregulierung eingezogen werden.

Auch Rentner müssen einen Teil ihrer Rente an den Gläubiger bzw. während des Insolvenzverfahrens an den Treuhänder abgeben, sobald diese über dem Pfändungsfreibetrag liegt.

Diese Grenze kann jedoch an die individuelle Situation des Rentners angepasst werden, z. B. wenn ihm aufgrund der medizinischen Versorgung ein Mehraufwand entsteht.

Auch Unterhaltspflichten können den Pfändungsfreibetrag erhöhen. Dies gilt gewöhnlich jedoch nur, wenn im Haushalt des Rentners ein unterhaltspflichtiges Familienmitglied lebt. Für Enkel erhöht sich die Pfändungsfreigrenze nur, wenn die Großeltern das Sorgerecht haben.

Es muss in der Regel ein bestimmtes Verwandtschaftsverhältnis zum Betreffenden bestehen. Und dieser muss finanziell abhängig sein.

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