Privatinsolvenz – was darf ich behalten?

Privatinsolvenz - was darf ich behalten und was wird gepfändet?
Privatinsolvenz – was darf ich behalten und was wird gepfändet?
Eine Privatinsolvenz ist für viele Schuldner der letzte Ausweg aus der Schuldenfalle. Mit ihr bietet das deutsche Recht überschuldeten Privatpersonen die Möglichkeit, durch Offenlegung der Finanzen und Verteilung der eigenen Besitztümer die eigenen Schulden abzubauen und gegebenenfalls eine Restschuldbefreiung zu erwirken. So kann der Schuldner am Ende des Insolvenzverfahrens “bei Null” anfangen.

Doch müssen Sie im Verfahren wirklich alles abgeben? Wie viel Geld darf man bei einer Privatinsolvenz behalten? Dürfen Sie zum Beispiel nach der Privatinsolvenz Haus und Auto behalten? Verschiedene im Gesetz festgelegte Regelungen besagen, was Sie an Ihre Gläubiger abgeben müssen und was nicht. Alles zur Frage “Privatinsolvenz – was darf ich behalten?” und zum Selbstbehalt bei der Insolvenz erfahren Sie in diesem Beitrag.

Was Sie bei der Privatinsolvenz behalten dürfen kurz zusammengefasst

  1. Während des Insolvenzverfahrens müssen Sie einen Großteil Ihres Einkommens sowie Ihr verwertbares Vermögen dem Insolvenzverwalter und damit der Insolvenzmasse überlassen.
  2. Ihnen steht ein monatlicher Pfändungsfreibetrag von mindestens 1.139,99 Euro zu. Diesen Betrag können Sie mit einem P-Konto vor der Pfändung schützen.
  3. Sachvermögen können Sie nur in Ausnahmefällen und unter bestimmten Bedingungen behalten.

Privatinsolvenz – wie viel Geld darf ich behalten?

Privatinsolvenz - was darf man behalten, bevor die Restschuldbefreiung ansteht?
Privatinsolvenz – was darf man behalten, bevor die Restschuldbefreiung ansteht?
Wenn Sie Privatinsolvenz anmelden, wird Ihnen ein Insolvenzverwalter zur Seite gestellt, der Einsicht in Ihre Finanzen erhält und Ihr Vermögen und Einkommen für Sie verwaltet. Ziel ist es, so optimal Ihre Schulden gegenüber Ihren Gläubigern abzuarbeiten.

In dieser entbehrungsreichen Zeit, zu der unter anderem eine Wohlverhaltensperiode von mindestens drei Jahren gehört, müssen Sie mit dem auskommen, was Ihnen nach der Pfändung und Begutachtung durch den Insolvenzverwalter bleibt. Doch was genau bleibt nach der Privatinsolvenz? Was darf ich behalten?

Zur besseren Übersicht müssen sowohl das Insolvenzverfahren als auch Ihr Besitz in zwei Kategorien aufgeteilt werden, für die unterschiedliche Regeln gelten.

Ihr Hab und Gut lässt sich unterteilen in Vermögen und Einkommen. Beim Einkommen handelt es sich um all Ihre Einnahmen in Geldeswert. Dazu zählt vor allem Ihr Lohn, aber auch Renten und Schenkungen sind als Einkommen zu betrachten. Dem gegenüber steht das Vermögen. Dabei handelt es sich um Geld bzw. geldwerte Güter, also Ihr Erspartes auf dem Konto, ein Auto oder auch Ihr Haus.

Die Frage bei der Privatinsolvenz, “Wie viel darf ich behalten?” lässt sich für Einkommen und Vermögen unterschiedlich beantworten.

Auch muss die Privatinsolvenz selbst noch genauer definiert werden, denn diese unterteilt sich in das eigentliche Privatinsolvenzverfahren und in die Wohlverhaltensphase.

Mein Lohn in der Privatinsolvenz – was darf ich vom Einkommen behalten?

Ratlosigkeit bei der Privatinsolvenz: Was darf ich behalten und was erhält das Pfändungssiegel?
Ratlosigkeit bei der Privatinsolvenz: Was darf ich behalten und was erhält das Pfändungssiegel?
Auch in einer Privatinsolvenz haben Sie ein Recht auf die Sicherung Ihres Existenzminimums. Diese kann aber bedroht sein, wenn sowohl Ihr Vermögen als auch Ihr Einkommen gepfändet und an die Gläubiger übergeben werden. Damit ein menschenwürdiges Leben trotz Privatinsolvenz möglich ist, sieht die Zivilprozessordnung (ZPO) eine Pfändungsfreigrenze vor. Diese gewährt Schuldnern monatlich einen Teil Ihres Einkommens, der dann vor der Pfändung geschützt werden kann – auch in der Privatinsolvenz. Doch wie viel Lohn darf ich als Schuldner behalten?

Die Höhe des Pfändungsfreibetrages regelt § 850 c ZPO. Sie hängt davon ab, wie vielen Personen der Schuldner zu Unterhalt verpflichtet ist und kann dementsprechend höher ausfallen.

Was also, wenn ein alleinstehender und kinderloser Schuldner ohne Unterhaltspflichten sich in der Privatinsolvenz fragt: “Was darf ich behalten?” In diesem Fall steht ihm seit dem 01.07.2017 ein monatlicher Freibetrag von 1.139,99 Euro zu, die er nicht der Pfändung preisgeben muss (Stand September 2018). Der Freibetrag kann auf bis zu 2.519,99 Euro monatlich erhöht werden, wenn der Betroffene fünf oder mehr Unterhaltspflichten innehat.

Einen kleinen Auszug aus der Tabelle zu § 850 c ZPO liefert diese Übersicht. Die Angaben sind in Euro.

mtl. Nettolohn 0 Pers.1 Pers.2 Pers.3 Pers.
bis 1.139,99----
1.140,00 - 1.149,994,34---
1.150,00 - 1.159,9911,34---
1.160,00 - 1.169,9918,34---
1.300,00 - 1.309,99116,34---
1.570,00 - 1.579,99305,344,75--

Für den Pfändungsschutz benötigen Sie ein P-Konto

Um sicherzugehen, dass Ihr monatlicher Freibetrag auch unberührt bleibt, reicht Untätigkeit nicht aus. Stattdessen sollten Sie Ihr Girokonto in ein Pfändungsschutzkonto (P-Konto) umwandeln lassen. Diese Umwandlung können Sie im Regelfall mit jedem beliebigen Girokonto bei der jeweiligen Bank beantragen.

Nur das P-Konto schützt den Freibetrag von 1.139,99 Euro davor, mitgepfändet zu werden, wenn sich Gläubiger Ihrem Konto zuwenden.

Privatinsolvenz – was darf ich an Vermögen behalten?

Auto behalten bei einer Privatinsolvenz - geht das?
Auto behalten bei einer Privatinsolvenz – geht das?
Wie bereits angesprochen, geht Vermögen über reine Geldwerte hinaus. Es wird zwischen Sachvermögen und Geldvermögen unterschieden. Dementsprechend müssen Sie sich nicht nur die Frage stellen, wie viel Geld Sie behalten dürfen, sondern auch, ob Sie beispielsweise bei der Insolvenz Ihr Auto behalten können.

Geldvermögen wird grundsätzlich Teil der Insolvenzmasse. Doch darüber hinaus kommt die Frage bei der Privatinsolvenz auf: “Was darf ich an Gegenständen behalten?” Zwar zählen im Regelfall auch Sachen wie Autos zur Insolvenzmasse und müssen gepfändet werden, doch hier gibt es Ausnahmen.

So dürfen Sie während der Privatinsolvenz Ihr Auto unter Umständen behalten, wenn Sie

  • zur Ausübung Ihrer beruflichen Tätigkeit darauf angewiesen sind,
  • als Schichtarbeiter Ihren Arbeitsplatz nicht mit dem ÖPNV oder anderweitig erreichen können oder
  • schwerbehindert sind und Ihr Auto zum Bestreiten Ihres Lebensalltags benötigen.

Für viele Schuldner, die ein Eigenheim besitzen, stellt sich darüber hinaus die Frage, was mit dem trauten Heim passiert. Dürfen Sie in der Privatinsolvenz Ihre Wohnung behalten? Auch hier ist die Antwort: Grundsätzlich nein, denn sie ist als Vermögen Teil der Insolvenzmasse. Allerdings kann sie in Ausnahmefällen aus dieser Masse befreit werden.

Um trotz Privatinsolvenz die Eigentumswohnung oder anderweitige Immobilie behalten zu können, müssen Sie sich als Schuldner an den Insolvenzverwalter wenden. Dieser hat die Möglichkeit, Ihr Haus aus der Insolvenzmasse freizugeben. Hierbei entscheidet er in der Regel eigenmächtig und muss die Freigabe für sinnvoll erachten.

In Ausnahmefällen können Sie bei der Privatinsolvenz Ihr Haus behalten.
In Ausnahmefällen können Sie bei der Privatinsolvenz Ihr Haus behalten.
Bedingung für die Freigabe des Eigenheims ist in der Regel, dass dieses verschuldet ist und der Erlös aus dem Verkauf geringer wäre als die Schulden, die auf dem Haus lasten. Je weniger attraktiv der Verkauf, desto wahrscheinlicher, dass das Haus aus der Insolvenzmasse freigegeben wird.

Es ist darüber hinaus durchaus möglich, dass Sie während der Privatinsolvenz Ihren Handyvertrag nicht länger behalten können bzw. dieser von Seiten des Anbieters gekündigt wird. Die meisten Handyverträge enthalten Klauseln über ein besonderes Kündigungsrecht im Insolvenzfall.

Privatinsolvenz – wie viel Geld darf ich behalten in der Wohlverhaltensperiode?

Wenn Sie nach Ablauf des Verfahrens in die Wohlverhaltensperiode eintreten, lockert sich Ihre Situation allmählich auf. Zwar sind Sie noch mindestens drei Jahre von der Restschuldbefreiung entfernt, doch nun ist es Ihnen wieder möglich, Vermögen anzusparen. Die Regeln sind dementsprechend entschärft.

Wenn Sie zum Beispiel während des Verfahrens eine Erbschaft erhalten, geht diese in der Regel vollständig in die Insolvenzmasse über. In der Wohlverhaltensphase hingegen dürfen Sie die Hälfte des Erbes behalten.

Schenkungen, zum Beispiel von Angehörigen, dürfen Sie in dieser Zeit komplett behalten, wenn das eigentliche Verfahren der Privatinsolvenz beendet ist. “Was darf ich behalten?” Die Antwort auf diese Frage hängt schließlich davon ab, an welchem Punkt in der Privatinsolvenz Sie sich befinden, welche Verpflichtungen Sie haben und worauf Sie für ein menschenwürdiges Leben angewiesen sind.

Bildnachweise:
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2 Replies to “Privatinsolvenz – was darf ich behalten?”

  1. Frage .
    Sind Eigentumsanteile wie zum Beispiel die Einlagen bei einer WBG pfändbar ?
    Wenn ja bis zu welcher Höhe der Einlage ?

    • Hallo Wolfgang,

      unseres Kenntnisstandes nach sollte eine Pfändung grundsätzlich möglich sein. Genaue Informationen erhalten Sie bei einem Anwalt.

      Ihr Team von privatinsolvenz.net

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