Privatinsolvenz: Unterhalt zahlen weiterhin Pflicht?

Von Privatinsolvenz.net, letzte Aktualisierung am: 6. Mai 2021

Muss ich bei einer Privatinsolvenz weiterhin Unterhalt für mein Kind zahlen?
Muss ich bei einer Privatinsolvenz weiterhin Unterhalt für mein Kind zahlen?

Wer eine Privatinsolvenz anmelden muss, ist nicht in der Lage, sich von seinen Schulden vollständig und in absehbarer Zeit aus eigener Kraft zu befreien. Ein Insolvenzverfahren soll dafür sorgen, dass Schuldner nach einer längeren Dauer und regelmäßigen Pfändungen wieder schuldenfrei sind.

Denn während der Wohlverhaltensphase besteht für den Schuldner die Pflicht, sein Einkommen an den Treuhänder abzutreten, welcher dieses unter den Gläubigern verteilt. Besteht für den Schuldner gleichzeitig eine Unterhaltspflicht, hat dieser eine zusätzliche Zahlungsverpflichtung zu erfüllen.

Doch muss eigentlich Unterhalt trotz Privatinsolvenz gezahlt werden? Hat eine bestehende Unterhaltspflicht Auswirkungen auf den Pfändungsumfang? Was passiert bei einer Privatinsolvenz mit Unterhaltsschulden? Die Antworten auf diese Fragen erhalten Sie im Folgenden.

Unterhalt bei der Privatinsolvenz kurz zusammengefasst

Muss bei einer Privatinsolvenz weiterhin Unterhalt gezahlt werden?

Schuldner, die dazu verpflichtet sind, Unterhalt zu zahlen, müssen auch während einer Privatinsolvenz weiterhin Unterhaltszahlungen tätigen, um Unterhaltsschulden zu vermeiden.

Wird bei einer Privatinsolvenz der Unterhalt gepfändet?

Erhalten Sie monatliche Unterhaltszahlungen, kann es passieren, dass diese im Rahmen einer Einkommenspfändung gepfändet werden. Auf einem Pfändungsschutzkonto (P-Konto) ist der Unterhalt hingegen geschützt.

Erhöht die Verpflichtung zur Zahlung von Unterhalt bei einer Privatinsolvenz den Freibetrag?

Ja, je mehr unterhaltsberechtigte Personen vorhanden sind, desto weniger kann gepfändet werden bzw. desto höher ist der Pfändungsfreibetrag.

Muss man bei einer Privatinsolvenz Unterhalt zahlen?

Wird der Unterhalt bei einer Privatinsolvenz angerechnet und erhöht sich der Freibetrag?
Wird der Unterhalt bei einer Privatinsolvenz angerechnet und erhöht sich der Freibetrag?

Ist ein Schuldner unterhaltspflichtig, muss dieser auch während einer Privatinsolvenz weiterhin Unterhalt zahlen – und das in vollem Umfang. Der Unterhalt wird demnach nicht gekürzt oder gestrichen. Damit der Schuldner dazu in der Lage ist, wird der Pfändungsfreibetrag bei einer Unterhaltspflicht erhöht.

Grundsätzlich kann erst ab einer bestimmten Einkommensgrenze gepfändet werden. Mit bestehender Unterhaltspflicht erhöht sich die Pfändungsfreigrenze. Je mehr unterhaltsberechtigte Personen (Kinder, Ehepartner, Ex-Ehepartner) vorhanden sind, desto höher ist der Pfändungsfreibetrag.

  • 1 Unterhaltsberechtigter: ab einem Einkommen von 1610 Euro
  • 2 Unterhaltsberechtigte: ab einem Einkommen von 1870 Euro
  • 3 Unterhaltsberechtigte: ab einem Einkommen von 2120 Euro
  • 4 Unterhaltsberechtigte: ab einem Einkommen von 2370 Euro
  • 5 Unterhaltsberechtigte: ab einem Einkommen von 2620 Euro

Je höher das Einkommen, desto höher ist folglich der pfändbare Betrag. Der Pfändungsfreibetrag dient dazu, das Existenzminimum des Schuldners zu sichern. Über diesen kann er schließlich frei verfügen.

Kann der Unterhalt bei einer Privatinsolvenz gepfändet werden?

Sind Sie unterhaltsberechtigt und es bestehen Unterhaltsschulden, kann die Privatinsolvenz auch in diesem Fall dafür sorgen, dass diese durch die Insolvenzmasse beglichen werden. Besteht ein Recht auf Unterhalt und eine Privatinsolvenz wird eingeleitet, kann dieser ebenfalls gepfändet und an den Unterhaltsberechtigten als Gläubiger überwiesen werden. Die Unterhaltspfändung hat keinen Vorrang gegenüber anderen Pfändungen. Das heißt, Unterhalt wird nicht vorrangig gegenüber anderen Insolvenzforderungen behandelt.

Befinden Sie sich selbst in einer Privatinsolvenz und erhalten Unterhalt, kann dieser im Rahmen einer Kontopfändung gepfändet werden. Es ist allerdings möglich, den Unterhalt vor einer Pfändung zu bewahren, indem Schuldner ein Pfändungsschutzkonto (P-Konto) einrichten lassen. Auf diesem sind ein Grundfreibetrag und unpfändbare Bezüge geschützt.

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2 Replies to “Privatinsolvenz: Unterhalt zahlen weiterhin Pflicht?”

  1. Mein Sohn ist 2017 gestorben und hinterläßt ein uneheliches Kind. Ich vermute, dass es noch Unterhaltsschulden beim Jugendamt gibt.
    Nach meinem Tod wird das Enkelkind Miterbe werden, kann das Jugendamt dann noch die Begleichung der Unterhaltsschulden verlangen oder verjähren diese?
    MfG GH

  2. ich würde vor zwei jahre für das Trennungsjahr Unterhalt zu zahlen wir waren nur ein Jahr verheiratet keine Kinder jetzt melde ich Insolvenz an kann ich die kosten mit in die insolvenz nehmen ich bin Rentner und habe eine Rente von 460 Euro und 400 Euro Minijob ich würde nich freuen auf eine Antwort

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