Kreditwürdigkeit – Warum ist sie so wichtig?

Wie kreditwürdig bin ich? Diese Frage stellen sich viele Verbraucher.
Wie kreditwürdig bin ich? Diese Frage stellen sich viele Verbraucher.

Laut Angaben der SCHUFA wurden im Jahr 2017 insgesamt mehr als 8 Millionen neue Ratenkredite abgeschlossen – ein echter Rekord! Im Gegensatz zum Vorjahr stellt dies ein Plus von 4,4 Prozent dar. Am häufigsten nutzen Verbraucher einen solchen Kredit, um damit Autos, Möbel sowie elektronische Geräte zu finanzieren.

Bei einem Kredit verleiht die Bank Geld und der Kreditnehmer zahlt die Summe dann inklusive Zinsen – das Entgelt, welches als Gegenleistung für das vorübergehende Überlassen des Geldes verlangt wird – in Raten zurück. Bevor ein Kredit vergeben wird, prüfen Banken die Kreditwürdigkeit von Kunden. Doch worum handelt es sich dabei genau? Wann ist man kreditwürdig? Diese und weitere Fragen beantworten wir im Folgenden.

Die Kreditwürdigkeit kurz zusammengefasst:

  1. Die Kreditwürdigkeit – auch Bonität genannt – beschreibt, ob ein Kreditnehmer dazu fähig ist, einen Kredit vereinbarungsgemäß zurückzuzahlen.
  2. Banken lassen zunächst die Kreditwürdigkeit eines Kunden prüfen, bevor sie einen Kredit vergeben.
  3. Wichtige Institutionen sind in diesem Zusammenhang Auskunfteien wie die SCHUFA. Sie sammeln Daten rund um das Zahlungsverhalten von Verbrauchern und Unternehmen, ermitteln daraus die Bonität und geben die Daten an Banken etc. weiter.

Was ist die Kreditwürdigkeit? Eine Definition

Banken lassen zunächst die Kreditwürdigkeit prüfen, bevor sie ein Darlehen vergeben.
Banken lassen zunächst die Kreditwürdigkeit prüfen, bevor sie ein Darlehen vergeben.

Laut allgemeiner Definition ist die Kreditwürdigkeit ein Maßstab, anhand dessen beurteilt wird, ob eine Person einen Kredit zurückzahlen kann. In diesem Zusammenhang ist wichtig zu wissen, dass zwei Formen der Kreditwürdigkeit unterschieden werden: die persönliche und die materielle.

Die persönliche Kreditwürdigkeit wird von subjektiv-persönlichen Eigenschaften abhängig gemacht und beschreibt, inwiefern der Kreditnehmer vor diesem Hintergrund zahlungswillig und -fähig ist. Einfach gesprochen sollen also die folgenden Fragen beantwortet werden: Wie zuverlässig ist die Person? Ist sie gewillt, ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen?

Unter anderem können die folgenden Merkmale herangezogen werden, wenn Banken und Unternehmen die persönliche Kreditwürdigkeit prüfen:

  • Familienstand
  • Alter
  • Kinder
  • Wie lange wird ein Wohnsitz beibehalten?
  • Berufliche Situation und Qualifikation
Im Gegensatz dazu beschreibt die materielle Kreditwürdigkeit die wirtschaftliche Situation einer Person. Hierzu gehören unter anderem sein Einkommen, sein vorhandenes Vermögen sowie seine Ausgaben (beispielsweise Wohnkosten, andere abzuzahlende Kredite etc.). Es wird in diesem Zusammenhang also bewertet, inwiefern es seine finanziellen Möglichkeiten zulassen, einen Kredit abzuzahlen.

Warum wird geprüft, ob Sie kreditwürdig sind?

Möchten Sie einen Kredit aufnehmen, prüft die Bank zunächst Ihre Bonität. Doch warum tun sie das überhaupt? Zunächst möchten sich die Banken absichern, dass sie das von ihnen verliehene Geld tatsächlich zurückbekommen. Zum anderen ist dies auch gesetzlich vorgeschrieben. § 18a Abs. 1 des Kreditwesengesetzes (KWG) besagt nämlich Folgendes:

Die Kreditinstitute prüfen vor Abschluss eines Verbraucherdarlehensvertrags die Kreditwürdigkeit des Darlehensnehmers. Das Kreditinstitut darf den Verbraucherdarlehensvertrag nur abschließen, wenn aus der Kreditwürdigkeitsprüfung hervorgeht, dass bei einem Allgemein-Verbraucherdarlehensvertrag keine erheblichen Zweifel an der Kreditwürdigkeit bestehen und dass es bei einem Immobiliar-Verbraucherdarlehensvertrag wahrscheinlich ist, dass der Darlehensnehmer seinen Verpflichtungen, die im Zusammenhang mit dem Darlehensvertrag stehen, vertragsgemäß nachkommen wird.

Bei sehr hohen Darlehenssummen, die einen Betrag von 750.000 Euro bzw. 10 vom Hundert des anrechenbaren Eigenkapitals des Instituts überschreitet, sind die Regeln gemäß § 18 Abs. 1 KWG sogar noch strenger. In diesen Fällen müssen die wirtschaftlichen Verhältnisse etwa durch Vorlage von Jahresabschlüssen offengelegt werden. Des Weiteren kann die Einsichtnahme in vertrauliche Unterlagen gefordert werden.

Die gesetzlich vorgeschriebene Kreditwürdigkeitsprüfung schützt nicht nur die Banken, sondern soll auch Verbraucher davor bewahren, sich durch einen Kredit zu überschulden. Kommt eine Bank nicht der Pflicht nach, die Kreditwürdigkeit zu prüfen, oder macht sie dabei Fehler, haben Kreditnehmer bestimmte Rechte. Es kann zu einer Sollzinsreduzierung kommen. Unter Umständen besteht sogar Anspruch auf Schadensersatz.

Wie läuft eine Kreditwürdigkeitsprüfung bei der Bank ab?

Auch Ihr Beruf kann die Kreditwürdigkeit beeinflussen.
Auch Ihr Beruf kann die Kreditwürdigkeit beeinflussen.

Banken handeln also nicht nur aus eigenem Interesse, wenn sie die Bonität einer Person vor der Vergabe eines Kredites prüfen. Sie sind auch gesetzlich dazu verpflichtet und schützen zudem den Kunden davor, Schulden zu machen. Doch wie läuft eine solche Kreditwürdigkeitsprüfung überhaupt ab?

Hierzu gibt es keine genauen gesetzlichen Vorgaben. Vielmehr entscheidet jede Bank selbst, wie sie dabei vorgeht und welchen Fokus sie setzt. In vielen Fällen wird jedoch wie folgt vorgegangen: Zunächst muss der Kunde ein Formular zur Selbstauskunft ausfüllen, welches Fragen zu seiner persönlichen und materiellen Kreditwürdigkeit enthält.

Er muss unter anderem angeben, welchen Beruf er ausübt, welches Monatsgehalt er erhält, über welches Vermögen er verfügt und welche Ausgaben er hat. Als Belege müssen zusätzlich häufig entsprechende Kontoauszüge, eine Kopie des Arbeitsvertrages, Lohn- bzw. Gehaltsabrechnungen, Informationen über bereits bestehende Kreditverträge oder andere finanzielle Verpflichtungen eingereicht werden. Aus all diesen Daten lässt sich dann die Kreditwürdigkeit berechnen bzw. feststellen.

In einem zweiten Schritt werden Auskünfte von sogenannten Wirtschaftsauskunfteien – auf welche wir im folgenden Abschnitt näher eingehen – eingeholt. Diese geben Informationen darüber, wie es um das bisherige Zahlungsverhalten der Person bestellt ist. Im Anschluss entscheidet die Bank dann, ob und zu welchen Konditionen sie einen Kredit vergibt.

Bei vielen Krediten beeinflusst die Bonität auch die Höhe der Zinsen. Das lässt sich wie folgt erklären: Je schlechter die Kreditwürdigkeit einer Person ist, desto größer ist die Gefahr, dass es zu Zahlungsausfällen kommt. Um das Ausfallrisiko zu kompensieren wird dann ein höherer Zins verlangt.

Prüfung der Kreditwürdigkeit durch SCHUFA & Co.

Wirtschaftsauskunfteien können die Kreditwürdigkeit berechnen.
Wirtschaftsauskunfteien können die Kreditwürdigkeit berechnen.

In Deutschland gibt es einige Wirtschaftsauskunfteien, die von Bedeutung sind. Hierzu gehören unter anderem:

  • SCHUFA Holding AG
  • CRIF Bürgel GmbH
  • Creditreform
  • Arvato Infoscore

Am größten und bekanntesten ist wohl die SCHUFA, weshalb wir uns im Folgenden exemplarisch auf dieses Unternehmen beziehen. Aufgabe der SCHUFA – kurz für „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“ – ist die Sammlung von Informationen zur Kreditwürdigkeit von Unternehmen sowie Personen. Vertragspartner können gegen ein Entgelt entsprechende Informationen abrufen.

Doch woher bekommt die SCHUFA entsprechende Informationen über die Kreditwürdigkeit? Rund 9.500 Vertragspartner in ganz Deutschland – unter anderem Banken, Energieversorger und Telekommunikationsgesellschaften – stellen dem Unternehmen entsprechende Daten zur Verfügung. Hierzu gehören etwa:

  • Personendaten (Name, Geburtsdatum, Adresse)
  • Informationen über Girokonten, Kreditkarten, Ratenkredite, Pfändungsschutzkonten etc.
  • Daten über mehrfach angemahnte oder titulierte Forderungen
  • Informationen aus amtlichen Bekanntmachungen und öffentlichen Verzeichnissen (z. B. Angaben zur Eröffnung einer Privatinsolvenz oder einer Restschuldbefreiung
  • Daten zu betrügerischem oder missbräuchlichem Verhalten (beispielsweise Täuschungen bezüglich der Identität oder Bonität)
Die Überprüfung der Kreditwürdigkeit soll Kreditnehmer vor einer Überschuldung schützen.
Die Überprüfung der Kreditwürdigkeit soll Kreditnehmer vor einer Überschuldung schützen.

Nicht gespeichert werden hingegen Informationen zum Einkommen, Vermögen, Kaufverhalten, Beruf, der religiösen oder politischen Einstellung, der Nationalität und dem Familienstand. Des Weiteren werden keine Daten aus sozialen Netzwerken verwendet.

Diese Daten werden dazu verwendet um einen sogenannten Score zu berechnen. Je höher dieser ist, umso besser wird die Bonität eingeschätzt. Ein hoher Wert sagt demnach aus, dass damit gerechnet werden kann, dass die betreffende Person ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen wird.

Wie genau die SCHUFA und andere Wirtschaftsauskunfteien die Kreditwürdigkeit berechnen, also welche mathematische Formel dahintersteckt, verraten die Unternehmen übrigens nicht. Dadurch möchten sie sich vor kriminellen Einflussnahmen schützen.

Die folgende Abbildung fasst noch einmal alle wichtigen Informationen rund um die SCHUFA zusammen:
Die Kreditwürdigkeit wird unter anderem von der SCHUFA berechnet.

Wussten Sie, dass die SCHUFA mehrere Scores berechnet? Der sogenannte Basisscore wird alle drei Monate neu berechnet und ermöglicht eine branchenunabhängige Einschätzung der Bonität. Daneben gibt es noch unterschiedliche Branchenscores. Denen liegt die Annahme zugrunde, dass verschiedene Branchen unterschiedliche Anforderungen an die Kreditwürdigkeit einer Person stellen. Bei einem Kauf auf Rechnung im Versandhandel sind diese in der Regel weniger streng als bei einer Baufinanzierung.

Welche Möglichkeiten bestehen, Ihre Kreditwürdigkeit zu verbessern?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Ihre Kreditwürdigkeit zu verbessern.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Ihre Kreditwürdigkeit zu verbessern.

Personen mit hoher Bonität haben bessere Chancen darauf, einen Kredit zu bekommen und können zusätzlich auf bessere Konditionen – also beispielsweise niedrigere Zinsen – hoffen. Doch was können Personen unternehmen, deren Kreditwürdigkeit als eher schlecht eingestuft wird?

Sie haben durchaus die Möglichkeit, selbst Einfluss auf die Einschätzung Ihrer Bonität zu nehmen. Die folgenden Tipps sollen Ihnen dabei helfen.

Achten Sie darauf, Ihre Rechnungen pünktlich zu bezahlen

Zahlen Sie eine Rechnung nicht sofort, wirkt sich das nicht umgehend auf Ihre Kreditwürdigkeit aus. Nach einer Frist kommt es jedoch zu einem Mahnverfahren und im Anschluss können gerichtliche Schritte eingeleitet werden. Beantragt der Gläubiger schlussendlich einen Vollstreckungsbescheid, wird dies von SCHUFA & Co gespeichert und verschlechtert damit die Bonität.

Kündigen Sie überflüssige Girokonten sowie Kreditkarten und wechseln Sie diese nicht zu häufig

Besitzt eine Person mehrere Girokonten sowie Kreditkarten, wird dies von den Auskunfteien als negativ gewertet, da das für sie ein Zeichen von Unzuverlässigkeit darstellt. Gleiches gilt für häufige Wechsel bei Konten & Co. Unnötige Konten und Karten sollten also gekündigt und wiederholte Wechsel vermieden werden. Gut zu wissen: Das gilt nicht für Tagesgeld- oder Festgeldkonten.

Kontrollieren Sie in regelmäßigen Abständen die über Sie gespeicherten Daten

Sie sollten die gespeicherten Angaben zu Ihrer Kreditwürdigkeit regelmäßig prüfen.
Sie sollten die gespeicherten Angaben zu Ihrer Kreditwürdigkeit regelmäßig prüfen.

Es kann durchaus vorkommen, dass die bei SCHUFA & Co gespeicherten Daten nicht mehr aktuell oder sogar gänzlich falsch sind – und sich dann negativ auf Ihre Kreditwürdigkeit auswirken. Aus diesem Grund sollten Sie regelmäßig die entsprechenden Daten kontrollieren.

Sie haben das Recht dazu, einmal im Jahr eine entsprechende Selbstauskunft gemäß § 34 des Bundesdaten­schutzgesetzes (BDSG) anzufordern. Dafür darf die Auskunftei keine Gebühren erheben. Sollten tatsächlich fehlerhafte Einträge vorliegen, haben Sie einen Anspruch darauf, dass diese berichtigt werden.

Nehmen Sie nicht zu viele Finanzierungsmöglichkeiten in Anspruch

Heutzutage lässt sich fast alles auf Raten kaufen, beispielsweise Kleidung im Versandhandel oder Elektrogeräte im Fachgeschäft. Vergessen Sie nicht, dass es sich auch hierbei um kleine Kredite handelt, die von der SCHUFA und anderen Wirtschaftsauskunfteien gespeichert werden. Müssen Sie gleichzeitig mehrere Raten zahlen, kann dies als größeres Risiko gewertet werden und die Bonität verschlechtern. Zahlungsausfälle und andere Auffälligkeiten führen natürlich auch zu einem niedrigeren Score.

Achten Sie darauf, Kreditanfragen korrekt zu stellen

Möchten Sie den besten und günstigsten Kredit finden, ist es in der Regel empfehlenswert, bei mehreren Banken eine entsprechende Anfrage zu stellen und dann die angebotenen Konditionen zu vergleichen. Dabei sollten Sie jedoch auf Folgendes achten: Stellen Sie lediglich eine Konditionsanfrage und keine Kreditanfrage. Bei einer Konditionsanfrage erfolgt kein Eintrag bei SCHUFA & Co, es kommt also zu keinerlei Auswirkungen auf die Kreditwürdigkeit.

Anders verhält sich dies bei der Kreditanfrage. Diese wird von den Auskunfteien gespeichert. Zunächst beeinflusst dies den Score zwar nicht negativ, häufen sich jedoch Anfragen dieser Art, ohne dass tatsächlich ein Kredit abgeschlossen wird, wendet sich das Blatt. Dann gehen die Auskunfteien nämlich davon aus, dass die Anfrage von der Bank abgelehnt wurde – auch wenn dies gar nicht der Fall war. Das führt dann zur Verschlechterung der Bonität.

Beim Kreditantrag: Vergessen Sie wichtige Angaben bezüglich des Einkommens nicht

Eine Bürge kann Ihre Kreditwürdigkeit verbessern.
Eine Bürge kann Ihre Kreditwürdigkeit verbessern.

Möchten Sie einen Kredit aufnehmen, sollten Sie der Bank alle nötigen Informationen zukommen lassen. Hierzu gehören auch Angaben zu Ihrem Einkommen.

Manche Posten, die das Einkommen nicht unwesentlich erhöhen, werden jedoch häufig vergessen. Hierzu zählen etwa Zinsgewinne, Steuerrückzahlungen oder ausgezahltes Pflegegeld.

Mehr Chancen auf einen Kredit durch einen Bürgen oder einen zweiten Kreditnehmer

Eine weitere Möglichkeit, um Ihre Chance auf einen Kredit zu erhöhen, wenn Ihre Kreditwürdigkeit nicht ausreichend ist, besteht darin, einen Bürgen zu finden. Hierbei handelt es sich um eine Person, die vertraglich zusichert, dass sie für die Schulden des Kreditnehmers haftet. Zahlen Sie also nicht pünktlich die Raten zur Rückzahlung des Kredites, kann die Bank das Geld beim Bürgen einfordern.

Eine ähnliche Option besteht darin, eine Person als zweiten Kreditnehmer aufnehmen. Verfügt diese über eine gute Bonität, steigen die Chancen auf den Kredit, außerdem kann unter Umständen mit besseren Konditionen gerechnet werden. Der zusätzliche Kreditnehmer wird jedoch in die Pflicht genommen, falls es zu Zahlungsausfällen kommt.

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