Kontopfändung: Was können Betroffene nun unternehmen?

Bei einer Kontopfändung wird das Girokonto gesperrt.
Bei einer Kontopfändung wird das Girokonto gesperrt.

Laut dem Schuldneratlas 2017, der von der Wirtschaftsauskunftei Creditreform herausgegeben wird, waren in besagtem Jahr mehr als 6,9 Millionen Menschen über 18 Jahren in Deutschland überschuldet. Das bedeutet, dass ihr Einkommen nicht ausreichte, um damit ihre Ausgaben zu decken.

Ist dies der Fall, können Schuldner offene Rechnungen oder Raten nicht mehr begleichen. Das ruft wiederum die Gläubiger auf den Plan, die Schritte einleiten, um doch noch an ihr Geld zu kommen. Eine dieser Möglichkeiten besteht darin, eine Kontopfändung in Auftrag zu geben. Doch wann ist das bei einem Konto überhaupt möglich und was bedeutet die Pfändung für Schuldner?

Kontopfändung kurz zusammengefasst

  1. Die Kontopfändung ist eine Form der Zwangsvollstreckung.
  2. Das Konto wird gesperrt. Guthaben wird nicht mehr an den Schuldner ausgezahlt, außerdem werden Lastschriften und Daueraufträge von der Bank gestoppt.
  3. Die Umwandlung eines regulären Kontos in ein Pfändungsschutz-Konto (P-Konto) ist die einzige Möglichkeit, um sich vor einer Pfändung dieser Art zu schützen.

Wie kommt es zur Kontopfändung? Der Ablauf einfach erklärt

Kontopfänung: Wann geht das Geld an den Gläubiger? Nach dem Erlass des PfÜB ist das der Fall.
Kontopfänung: Wann geht das Geld an den Gläubiger? Nach dem Erlass des PfÜB ist das der Fall.

Kommen Schuldner ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nach, verschicken Gläubiger in der Regel zunächst Zahlungserinnerungen und dann Mahnungen.

Im Anschluss können sie einen gerichtlichen Mahnbescheid beantragen. Reagiert der Schuldner immer noch nicht, hat der Gläubiger die Möglichkeit einen Vollstreckungsbescheid bzw. -titel zu erwirken, welcher die Voraussetzung für die Zwangsvollstreckung ist.

Es gibt verschiedene Formen der Zwangsvollstreckung. Eine davon ist die Kontopfändung. Die gesetzlichen Grundlagen finden sich in der Zivilprozessordnung (ZPO). Das Gericht erlässt einen sogenannten Pfändungs- und Überweisungsbeschluss (PfÜB), welcher erst der Bank und im Anschluss dem Schuldner zugestellt wird. Danach tritt die Wirksamkeit der Kontopfändung ein.

Wurde das Konto gepfändet, kann der Schuldner nicht mehr darauf zugreifen. Er darf kein Geld mehr abheben, keine Überweisungen mehr tätigen und auch Daueraufträge oder Lastschriften werden gestoppt. Dieser Zustand hält so lange an, bis die offene Forderung beglichen ist.

Wird die Kontopfändung bei der SCHUFA gespeichert? Ja, das ist tatsächlich der Fall. Es handelt sich dabei um ein Negativmerkmal, welches die Bonität beeinflusst.

Wie lässt sich die Pfändung beim Konto aufheben?

Möchten Sie die Kontopfändung aufheben lassen, müssen Sie die Schulden bezahlen.
Möchten Sie die Kontopfändung aufheben lassen, müssen Sie die Schulden bezahlen.

Eine solche Pfändung ist eine bedeutende Zwangsvollstreckungsmaßnahme, welche den Schuldner hart trifft. Aus diesem Grund fragen sich viele Betroffene, ob und wie sich die Kontopfändung aufheben lässt.

Grundsätzlich ist zu beachten, dass eine Aufhebung nur dann möglich ist, wenn Schuldner ihre offenen Schulden begleichen. Ist das aufgrund fehlender finanzieller Mittel keine Option, können sie auch das Gespräch mit dem Gläubiger suchen und eine Ratenzahlung vereinbaren.

Auch wenn Sie Schulden beim Finanzamt haben, kann Ihr Konto gepfändet werden. Im Gegensatz zu anderen Gläubigern muss die Behörde zuvor kein Gericht einschalten. Um die Kontopfändung durchs Finanzamt aufheben zu lassen, hilft nur das Begleichen der Schulden. Alternativ kann eine Ratenzahlung ausgehandelt werden.

Was tun bei einer Kontopfändung? Pfändungsschutz-Konto bei der Bank einrichten!

Eröffnen Sie bei der Bank ein P-Konto, um der Pfändung des gesamten Guthabens zu entgehen.
Eröffnen Sie bei der Bank ein P-Konto, um der Pfändung des gesamten Guthabens zu entgehen.

Droht eine Kontopfändung, sollten Sie so schnell wie möglich tätig werden. Es gibt nämlich eine Möglichkeit, mit welcher Schuldner ihr Guthaben zumindest zum Teil vor der Pfändung schützen können: die Einrichtung eines Pfändungsschutz-Kontos.

Kommt es zu einer Kontopfändung, sorgt das Pfändungsschutz-Konto dafür, dass monatlich ein Guthaben von mindestens 1.133,80 Euro geschützt ist. Dank P-Konto bleibt trotz Pfändung ausreichend Geld übrig, damit zumindest das Existenzminimum gesichert ist. Erhalten Schuldner Kindergeld oder sind sie zu Unterhalt verpflichtet, lässt sich der genannte Betrag auf Antrag bei der Bank erhöhen.

Sie können entweder ein neues P-Konto eröffnen oder Ihr bestehendes Girokonto umwandeln lassen. Hierfür darf die Bank keine Gebühren erheben – für die Kontoführung allerdings schon.

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