Moratorium: Befristeter Zahlungsaufschub für Kredit, Steuern & Co.

Von Jan Frederik Strasmann, LL. M.

Letzte Aktualisierung am: 8. April 2026

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Moratorium und seine Bedeutung kurz zusammengefasst

Was ist ein Moratorium einfach erklärt?

Moratorium ist laut Definition ein vorläufiger Zahlungsaufschub. Gläubiger und Schuldner einigen sich darauf, dass die Geldforderung erst später bezahlt werden muss, als ursprünglich vereinbart.

Wie kann man um einen Zahlungsaufschub bitten?

Bitten Sie Ihren Gläubiger schriftlich um eine Stundung der Forderung und begründen Sie genau, warum Sie einen Aufschub benötigen. Geben Sie außerdem an, wann konkret Sie Ihre Schulden bezahlen wollen.

Muss mir der Gläubiger einen Zahlungsaufschub gewähren?

Nein. Der Gläubiger ist nicht verpflichtet, einen Moratorium zuzustimmen. Er kann darauf bestehen, dass Sie die Forderung zum Zeitpunkt der Fälligkeit bezahlen.

Wie kann ich beim Finanzamt einen Zahlungsaufschub beantragen?

Stellen Sie Ihren Antrag so schnell wie möglich schriftlich beim zuständigen Finanzamt. An dieser Stelle finden Sie genauere Informationen.

Was bedeutet Moratorium am Beispiel erklärt?

Was versteht man unter einem Moratorium?
Was versteht man unter einem Moratorium?

Im Zahlungsverkehr ist das Moratorium ein befristeter Zahlungsaufschub, den ein Gläubiger gewährt, weil sein Schuldner vorübergehend nicht zahlen kann. Juristen sprechen in diesem Fall von der Stundung einer fälligen Forderung.

Ein Beispiel: Vincent hat bei der Bank einen Kredit über 10.000 € aufgenommen, den er in 40 Monatsraten von jeweils 250 € zurückzahlt. Nach drei Jahren erkrankt er und bezieht vorübergehend Krankengeld. Deshalb bittet er die Bank, die letzten vier Kreditraten zu stunden, sodass er sie erst später bezahlen muss, als ursprünglich vereinbart. Weil Vincent seine Kreditraten bisher immer pünktlich bezahlt hat, stimmt die Bank zu und gewährt ihm die gewünschte Stundung.

Ein Moratorium ist nur dann sinnvoll, wenn der Schuldner vorübergehende Zahlungsschwierigkeiten hat und wenn er seine Schulden in absehbarer Zeit begleichen kann. Der Zahlungsaufschub verschafft ihm eine kleine Verschnaufpause und hilft ihm, seine Geldprobleme zu lösen. Ist der Schuldner bereits zahlungsunfähig bzw. überschuldet, eignet sich das Moratorium nicht.

Wie Sie das Finanzamt um einen Zahlungsaufschub bitten

Wenn eine anstehende Steuerzahlung Sie finanziell überfordert, gewährt Ihnen das Finanzamt unter Umständen ein Moratorium für Ihre Steuerschulden. Das ist bei allen Steuerarten möglich.

Bitten Sie Ihren Vermieter rechtzeitig um einen Zahlungsaufschub für die Miete, noch bevor Sie in Rückstand geraten.
Bitten Sie Ihren Vermieter rechtzeitig um einen Zahlungsaufschub für die Miete, noch bevor Sie in Rückstand geraten.

Dabei gehen Sie wie folgt vor:

  1. Es ist wichtig, dass Sie den Zahlungsaufschub umgehend beantragen.
  2. Stellen Sie Ihren Stundungsantrag schriftlich – per Post – beim Finanzamt.
  3. Begründen Sie genau, warum eine pünktliche Zahlung eine erhebliche Härte für Sie bedeutet. Im nächsten Abschnitt erfahren Sie mehr dazu.
  4. Fügen Sie Ihren Antrag unbedingt Nachweise für Ihre Notlage bei.
  5. Beantragen Sie außerdem einen Vollstreckungsaufschub für den Fall, dass das Finanzamt Ihren Antrag ablehnt.

Ihr Schreiben für den Antrag auf ein Moratorium muss folgenden Angaben enthalten:

  • Ihre vollständige, korrekte Anschrift
  • weitere Kontaktmöglichkeiten (Telefonnummer, E-Mail
  • Steuernummer und Steuer-Identifikationsnummer
  • Anschrift des Finanzamts auf dem Briefkopf
  • Ort und Datum der Antragsstellung
  • ausführliche Begründung der erheblichen Härte
  • handschriftliche Unterschrift

Bezahlen Sie eine fällige Steuer nicht rechtzeitig, berechnet Ihnen das Finanzamt Säumniszuschläge. Außerdem müssen Sie mit Zwangsvollstreckungsmaßnahmen rechnen, beispielsweise mit einer Kontopfändung. Mit einem Moratorium für Ihre Steuern verschieben Sie den Zahlungszeitpunkt nach hinten und reduzieren die Säumniszuschläge.

Voraussetzungen für eine Steuerstundung nach § 222 AO

Moratorium auf dem P-Ponto: Bei einer Konto­pfändung darf künftiges Guthabens erst nach Fristablauf an den Gläubiger überwiesen werden.
Moratorium auf dem P-Ponto: Bei einer Konto­pfändung darf künftiges Guthabens erst nach Fristablauf an den Gläubiger überwiesen werden.

Das Finanzamt gewährt einen Zahlungsaufschub nach § 222 AO unter zwei Voraussetzungen, die wir in der folgenden Liste zusammenfassen.

  1. Erhebliche Härte:
    • Persönlicher Stundungsgrund: Sie befinden sich in einer finanziell ungünstigen Situation, z. B. wegen Krankheit, Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, und würden bei einer pünktlichen Bezahlung in ernsthafte Schwierigkeiten geraten. Wichtig: Sie sind unverschuldet in diese finanzielle Notlage geraten und nicht in der Lage, sich das Geld durch einen Kredit oder auf andere zumutbare Weise zu beschaffen.
    • Oder sachlicher Stundungsgrund: Sie konnten mit einer derart hohen Steuernachzahlung nicht rechnen oder Sie hatten nicht genug Zeit, um sich auf eine solche Forderung vorzubereiten. Oder die Nachzahlung z. B. aus einem selbstständigen Nebenerwerb kann mit Ihren Gegenansprüchen bspw. aus Ihrer Einkommensteuererklärung verrechnet werden.
  2. Keine Gefährdung des Anspruchs durch das Moratorium: Der Anspruch ist durch das Moratorium gefährdet, wenn eine spätere Einziehung der Steuerschulden nicht mehr oder nur erschwert möglich wäre. Das Finanzamt muss also Ihre finanzielle Situation und Ihre bisherige steuerliche Zuverlässigkeit beurteilen. Mit einer Sicherheitsleistung lässt sich diese Gefährdung ausschließen.

Achtung! Selbst wenn diese zwei Bedingungen erfüllt sind, liegt es im Ermessen des Finanzamts, ob es Ihnen das Moratorium gewährt. Gibt es Ihrem Antrag statt, müssen Sie 0,5 % Stundungszinsen für jeden angefangenen Monat zahlen. Unter Umständen wird auch eine Sicherheitsleistung fällig.

Exkurs: Was bedeutet Moratoriumsrisiko laut Definition?

Auch Staaten geraten mitunter in Zahlungsschwierigkeiten und können dann zum Beispiel importierte Waren oder Auslandskredite nicht mehr bezahlen. Ein einem solchen Fall könnte der Gesetzgeber oder eine Behörde anordnen, dass die Zahlungen vorübergehend eingestellt werden.

Das Moratoriumsrisiko bezeichnet eben diese Gefahr, dass es zu einer staatlich verordneten Zahlungseinstellung kommt.

In Deutschland darf die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ein Moratorium anordnen, zum Beispiel nach dem Kreditwesengesetz (KWG), wenn einer Bank die Insolvenz droht.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (39 Bewertungen, Durchschnitt: 4,80 von 5)
Loading ratings...Loading...

Über den Autor

Jan Frederik Strasmann (Rechtsanwalt)
Jan Frederik Strasmann, LL. M.

Jan Frederik Strasmann studierte Jura an der Universität Bremen mit Schwerpunkt auf Verbraucherrecht. In Dublin erwarb er seinen Master of Arts (LL. M.). 2014 erhielt er seine Zulassung zum Rechtsanwalt. Auf privatinsolvenz.net informiert er Verbraucher über ihre Rechte während eines Insolvenzverfahrens.

Bildnachweise

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*